Törggelen

ein Brauch für Geniesser...
Wo guter Wein wächst, wird auch gut gegessen. Diese alte Genießerweisheit gilt natürlich auch für Südtirol und seinem schmackhaften Herbstbrauch, das Törggelen, ein gemütliches Beisammensein bei deftigen Speisen und erlesenen Tropfen aus den heimischen Küchen und Kellern.
Um es gleich vorweg zu nehmen, "Törggelen" kommt nicht vom Torkeln. Zwar soll es bisweilen vorkommen, dass jemand beim "Törggelen" ins Torkeln gerät, wenn diese Tradition nicht ganz artgerecht angegangen wird, aber der Name des Brauchs leitet sich von der Torggel (lat.: „torquere“ – pressen, usw.) ab, der Traubenpresse im Kelterraum. Das Wort (lat). Torculum“ heißt soviel wie Kelter – auf südtirolerisch „Torggl“.
Wenn morgens schon im Tal der Tau liegt und die Tage wieder merklich kürzer werden, der Herbst vor der Türe steht, dann öffnen sich im ganzen Land die Buschenschänke und Landgasthöfe den Freuden des Törggelens. Natürlich steht die Verkostung des „Süßen“, des jungen, noch nicht gegorenen Traubensafts, später im Jahr dann die des „Neuen“, des bereits vergorenen Mosts, im Vordergrund.
So ist das Törggelen ein geselliges Genießen der im Herbst gereiften Gaben: Speck, Kaminwurzen und Schüttelbrot, oder eine deftige Schlachtplatte mit Surfleisch, Haus-, Leber- und Blutwurst, Knödeln und Kraut. Den Abschluss machen dann die Krapfen, Kastanien, Nüsse und andere herbstliche Köstlichkeiten, zu denen der Süße hervorragend mundet.
Um diese Tradition selbst besser verstehen zu können, empfiehlt es sich, einen Blick in die bäuerliche Vergangenheit zu werfen. Begonnen hat man wahrscheinlich im Eisacktal. Die Dörfer liegen hier im Talgrund oder auf mittlerer Höhe. Die Bauern im Tal haben die Weinberge, aber keine Weiden, während die Bauern in den höheren Lagen Viehwirtschaft betreiben, aber keinen Wein anbauen können. Zwar gilt diese Konstellation fast für ganz Südtirol, aber im Eisacktal hat sich daraus ein Tauschgeschäft entwickelt. Der Weinbauer durfte ein bis zwei Stück Vieh auf die Almen schicken, dafür revanchierte sich der Talbauer mit Wein oder mit einem herbstlichen Bauernschmaus, zu dessen Anlaß der neue Wein verkostet wurde. Dazu brachte die Bauersfrau alle Köstlichkeiten auf den Tisch, die der Herbst feilbot.
Es wurde eigens dafür geschlachtet, denn Kühlschränke gab es damals noch keine. Je nach Größe des Hofes und Wohlstand seiner Besitzer wurden Surfleisch, Rippelen, Würste, Kraut und Knödel aufgetischt. Der Bauer kredenzte dazu mit Stolz seinen "Nuien". Zur Abrundung durften die gebratenen Kastanien nicht fehlen - die süßen Durstmacher verlangten geradezu nach "Süßem" und "Federweißem". Bevor der Bauer aber noch einen Krug vom alten Wein (Vorjahreswein) aus dem Keller holte, sofern solcher noch vorhanden war, brachte die Bäuerin frisch Gebackenes aus der Küche: Bauernkrapfen, Striezeln, Strauben und Tirtlen.
Bevor man sich heute der Verkostung dieser bäuerlichen Gerichte hingibt, sollte man eine Wanderung durch unsere vielseitige und deshalb äußerst interessante Kulturlandschaft machen, vorbei an Weinbergen, alten Höfen, Burgen und Schlössern, Walwegen und Kastanienhainen. Viele alte, in den letzten Jahren neu markierten Wege bieten sich hierzu an. Es bleibt die Qual der Wahl und die Vorfreude auf die Köstlichkeiten, die dem Wanderer nach den Mühen um so besser schmecken. Erleben der Landschaft, ihrer Geschichte und Tradition sowie der Genuss der hier gewachsenen Produkte und liebevoll zubereiteten Speisen... das alles gehört zum Törggelen!
So liegt das Törggelen den Südtirolern nun mal im Blut, folglich sind alle historischen Erklärungsversuche eben was sie sind: Versuche und sonst nichts. Damit ist ein für alle mal geklärt, dass das "Törggelen" keine Erfindung der Fremdenverkehrswerbung ist, auch wenn es von dieser gefördert und genutzt wurde und für das weinselige Image des Landes Südtirol noch immer sehr wichtig ist.
Wo man im Burgen-Seen-und Weinland Eppan "Törggelen" kann:
Paulser Str. 10 - 39050 St. Pauls/Eppan
Tel. +39 0471 66 43 00 / +39 0471 66 44 70
Sitzplätze für ca. 150 Personen
Montag Ruhetag (2 mal wöchentlich Live-Musik)
www.eppan.com/dorfkeller
Perdonig 9 - 39057 Perdonig/Eppan
Tel. +39 0471 66 22 55
Sitzplätze für 55 Personen
Dienstag Ruhetag (nur mit Voranmeldung)
Perdonig 29 - 39057 Perdonig/Eppan
Tel. +39 0471 66 23 76
Sitzplätze für 60 Personen
Mittwoch Ruhetag
Weinstraße 19 - 59010 Frangart/Eppan
Tel. +39 339 8962477
Sitzplätze: 60 im Freien - 45 in der Stube
Dienstag Ruhetag (Gruppen nur mit Voranmeldung)
Bahnhofstr. 73a - 39057 St. Michael/Eppan
Tel. +39 0471 66 40 81
Sitzplätze für ca. 100 Personen
Montag Ruhetag (Gruppen nur mit Voranmeldung)
J.-Innerhofer.-Str. 26 - 39057 St. Michael/Eppan
Tel. +39 0471 66 28 93
Sitzplätze für ca. 50 Personen
Donnerstag Ruhetag (nur mit Voranmeldung)
Bergstr. 60 - 39057 Eppan/Berg
(auf der Straße nach Perdonig)
Tel. +39 0471 66 40 25
Sitzplätze für ca. 80 Personen
Dienstag Ruhetag (nur mit Voranmeldung)
Unterrainer Str. 24 - 39050 St. Pauls/Eppan
Sitzplätze für 80 Personen
kein Ruhetag - täglich ab 17.00 Uhr geöffnet
vom 15. September bis 15. November
Hocheppanerstr. 17 - 39050 Missian/Eppan
Tel. +39 0471 63 60 81
Sitzplätze: 200 im Freien - 45 in der Stube
kein Ruhetag (warme Küche von 11.00 bis 15.00 Uhr)
geöffnet bis 5. November
Kleiner Montiggler See - 39057 Montiggl/Eppan
Tel. +39 0471 66 31 27
Sitzplätze für 50-80 Personen
Donnerstag Ruhetag (abend mit Voranmeldung)
Unterrainer Str. 63 - 39050 Unterrain/Eppan
Tel. +39 0471 63 70 08
Sitzplätze für ca. 70 Personen
Montag Ruhetag (nur mit Voranmeldung)
Übrigens: Der Name Buschenschank geht auf die alte Tradition bäuerlicher Gastlokale zurück, während der Öffnungszeiten einen so genannten „Buschen“ (Strauß) über der Eingangstür auszuhängen. Diese Tradition wird zwar leider kaum noch gehalten, der Name ist aber geblieben.







