Wir verwenden Cookies für die beste Nutzererfahrung. Es werden Cookies von Dritten eingesetzt, um Ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
 
 
 
 

100% made in Südtirol

In St. Michael | Eppan entsteht gerade die erste Südtiroler Webserie. Wir waren auf Besuch am Set von „der Koffer“.
 
In einer verlassenen Lagerhalle inmitten der Gewerbezone Gand in St. Michael | Eppan wird ein Mönch umgebracht. Mit blutigen Wunden liegen die Verletzten am Boden. Die Ambulanz rollt ein, um sie abzuholen, doch Erich steigt selbst in sein Auto. Er muss noch etwas erledigen. Panoramaschwenk. Cut.
 
Hier wird gerade die erste Staffel von „CrimeTube Südtirol“ gedreht. „Der Koffer“ ist die Premiere einer Südtiroler Webserie, die ausschließlich von Südtirolern für Südtiroler produziert wird. So stehen in diesem Moment auch Lissy Pernthaler und Ricardo Angelini vor den Kameras. Mit dem Text in der Hand gehen sie noch einmal schnell die Szene durch, bevor der nächste Take geschossen wird. Vom Dach der Lagerhalle kommen laute Anweisungen. „Lissy, du musst etwas schneller einsetzen, wenn Ricardo zum Auto läuft“, schreit Regisseurin Lisa Maria Kerschbaumer. Die Szene wird noch einmal geprobt, dann sagt Lisa Maria mit einem gelben Funkgerät allen am Set durch, dass es erstmal Mittagspause gibt. Viel Zeit bleibt dafür jedoch nicht. Bei einem normalen Film werden an einem Drehtag zwei Filmminuten produziert. „Wir haben zehn Tage und müssen 40 Minuten drehen“, erklärt Lisa, „das schränkt uns natürlich in unserer Arbeitsweise ein.“
 
Für ihre Mittagspause hat sie sich kurzerhand ins Filmauto gesetzt und erzählt von den Tagen am Set. „Wir arbeiten hier viel mit Schulterkameras, um flexibel zu bleiben“, sagt sie und deutet auf einen der Kameramänner, der draußen die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießt. Die Crew nützt am Set außerdem fast ausschließlich natürliche Lichtverhältnisse, um nicht für jeden Take neu einleuchten zu müssen. „Und wir drehen viel Plansequenz“, erklärt Lisa weiter. Das bedeutet, dass der Kameramann von verschiedenen Winkeln filmt und dabei versucht, die beste Position zu finden, während der Schauspieler einfach immer weiterspielt.
 
 
 
CrimeTube Südtirol - eine Südtiroler Webserie von Südtirolern für Südtiroler produziert
Die Idee für dieses Projekt hatten Ricardo Angelini und Andreas Hartner als sie auf dem Filmfest in München gemeinsam zu Mittag aßen. Letzterer steht gerade als verletzter Mönch in brauner Kutte und mit Narben im Gesicht vor der Lagerhalle und schaufelt in seiner Mittagspause etwas vom indischen Essen aus den Aluboxen direkt in seinen Mund.
Sowohl Hartner als auch Angelini waren von Anfang an davon überzeugt, dass es in der Heimat bestimmt viele Talente mit genialen Ideen gebe, die aber nicht die Mittel haben, um diese Ideen tatsächlich auch filmisch umzusetzen. So war schnell klar, dass ihr Projekt eine Webserie „Made in Südtirol“ werden sollte. Organisatorisch einfach zu gestalten, produktionstechnisch überschaubar und mit ausschließlicher Beteiligung von Südtirolern. „Wir waren uns über das Genre einig und darüber, dass es online ausgestrahlt werden soll, dann war die Namensgebung relativ einfach“, sagt Hartner. „CrimeTube Südtirol“ war geboren.

 

Keine zwei Jahre später steht nun ein Team von knapp 50 Südtirolern um die Eppaner Lagerhalle herum verteilt. 15 professionelle Schauspieler, sieben Komparsen und 20 Leute von der Crew werden in den kommenden zwei Wochen in St. Michael | Eppan drehen. „Auf diese Art und Weise sind wir unabhängig und frei von einer Produktionsfirma“, sagt Hartner und strahlt bei diesen Worten. Die meisten Produktionen im Genre Krimi kommen aus Deutschland, Österreich, Italien oder der Schweiz. „Südtiroler arbeiten an Produktionen in diesem Sprachraum zwar immer mit, aber noch nie haben Südtiroler etwas für Südtiroler in Südtirol gemacht“, fügt die Regisseurin an.

Sie selbst hat Kommunikations- und Filmwissenschaften studiert und kann durch dieses Projekt später ihre bisher längste Regie im Curriculum vorweisen. Obwohl die meisten am Set bereits als Profis arbeiten, kann dieses Projekt für einige andere vielleicht als Sprungbrett dienen. „Wir haben so viele Menschen hier, die etwas können“, meint Lisa Maria, „und nun wollen wir den Zuschauern zeigen, dass wir Südtiroler auch etwas Gutes auf die Beine stellen und ohne Weiteres mit anderen mithalten können.“

 

​Inhaltlich geht es von Korruptionen, über Skandale in der Kirche bis zur Geldwäsche um relativ komplizierte Themen, die jedoch allesamt aktuell sind. 2016 entstand bereits die Pilotfolge für „der Koffer“, in den kommenden zwei Wochen werden die restlichen vier Folgen gedreht. „Die Gemeinde Eppan ist wunderschön und hier zu arbeiten ein Traum. Außerdem sind die Sets hier in St. Michael | Eppan ziemlich versteckt, das ist super, so kann man ungestört arbeiten“, erklärt Lisa Maria. Gedreht wird beim Kreithof, auf dem Ansitz Zinnenberg, in und um die verlassene Lagerhalle und auf einigen Straßen ums Dorf.

Premiere findet am 22. Mai statt; das erste Mal online sehen kann man „den Koffer“ hingegen erst am 25. Mai. „Dann wollen wir unser Projekt bei verschiedenen Webserien-Festivals einreichen“, verrät Lisa Maria. Dafür muss „der Koffer“ noch untertitelt werden. Gesprochen wird in der Serie nämlich im Südtiroler Dialekt. Die beiden Macher sind sich jedenfalls jetzt schon einig: „Dieser ist bestimmt nicht unser letzter CrimTube-Streich.“

 
 
Veröffentlicht am 03.03.2017
 
Ihre Meinung ist uns wichtig! Teilen Sie sie uns mit Einen Kommentar verfassen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kommentar absenden
 
Like it! Share it!
Wie findest du diesen Artikel?
 
 
 
 

Artikel die Sie interessieren könnten

 
 
Kultur

Die traditionelle Tracht erlebt einen Aufschwung bei Jung und Alt – auch in Eppan.

 
 
 
 
 
 
 

News & Aktuelles

Immer informiert mit der Eppan Newsletter
 
 
 
 Senden