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Bunte Berufung

Die kleine Gärtnerei „s'Gartl“ in St.Pauls blüht im Charme der alten Zeiten. Wer bei Werner Tartarotti seine Pflanzen kauft, findet nicht nur einen erfahrenen Berater, sondern auch immer ein offenes Ohr.
 

Obwohl die Blumen schon langsam zu Samen werden und die letzten Kohlköpfe bereits in den Winterschlaf ziehen, ist im „Gartl“ gerade Hochsaison. Allerheiligen steht nämlich vor der Tür. Die fünfte Jahreszeit für jeden Gärtner. Deshalb rollt Werner Tartarotti auch seinen vollgefüllten Schubkarren vom Friedhof direkt in seine kleine Gärtnerei, wenn er zum Interview kommt. Dann setzt er sich an seinen Lieblingsplatz, eine vom Regen grau gewaschene Holzbank direkt am Eingang, und meint grinsend: „So siehst du mich aber nicht sehr oft.“ Werner ist der Pächter der kleinen Gärtnerei „s'Gartl“, die sich gleich am Eingang von St. Pauls | Eppan versteckt. Hier zieht er Pflanzen groß, die er anschließend eigenhändig an seine Kunden verkauft.

Der Platz auf der hellgrauen Holzbank gehöre eigentlich seinem Vorgänger, „dem Rainald“, gesteht der neue Chef. Fünfzig Jahre lang hat Rainald Frötscher die kleine Paulsner Gärtnerei geführt, ehe er sie vor sieben Jahren an Werner übergeben hat. „Geholfen hat er mir bis vor einigen Monaten noch, der Rainald“, meint der junge Gärtner und streicht melancholisch einige abgefallene Blätter vom Tisch. Nicht nur Pflanzen kaufen, sondern auch einen Tipp abholen oder einfach nur auf einen „Ratscher“ vorbeikommen, das konnte man bei Rainald immer. Mit blauem Bauernschurz, grauer Jacke und Quetschmütze stand er unverwechselbar jahraus jahrein in seiner Herzens-Gärtnerei.

„Ich habe viel von ihm gelernt“, erzählt Werner. Vor allem die Schnittblumen seien ein Bereich gewesen, den der junge Gärtner vor der Übernahme etwas außen vor gelassen hat. Rainald hingegen war für seine Schnittblumen bekannt. Ein Erbe, das Werner Tartarotti heute gerne weiterführt. Wer nun im Sommer das kleine Gartl in St. Pauls betritt, weiß nicht, wohin er seinen Blick wenden soll. Blüten in allen Formen und Farben schneidet Werner frisch ab und bindet sie zu bunten Unikaten. „Einen schönen Blumenstrauß kriegt doch jeder gerne zum Geburtstag, oder?“, meint er lachend. Doch auch für selbst gezogene Gemüsepflanzen, Blumenstöcke, den einen oder anderen Samen und die Grabgestaltung ist „s'Gartl“ in der Umgebung bekannt. „Viele holen sich bei mir auch ihre ganz persönliche Erinnerung an den Südtirol Urlaub ab“, gesteht der Gärtner. So hat er schon den einen oder anderen Olivenbaum, einige Palmen und natürlich gelb blühende Meraner Röschen mit nach Deutschland geschickt.

Heute kauft eine Kundin vom Dorf eine dunkelviolette Orchidee und holt gleichzeitig einige Quitten ab, die Werner von seinem Baum für sie auf die Seite gelegt hat. Weil er sie verschenkt, kriegt er etwas später dafür ein Glas Marmelade retour. Man besiegelt den Deal mit einem Handschlag am hölzernen Eingangstor. „So etwas gibt es nur noch in kleinen Betrieben im Dorf“, meint der Frangartner etwas stolz, „das ist schön zu sehen“. Werner ist dankbar, dass die Dorfbewohner ihn von Anfang an mit Vertrauen belohnt haben und schätzt den Zusammenhalt auf dem Land. Dafür schätzen die Kunden Werners Offenheit und die einzigartige Beratung, die von seiner Erfahrung zehrt.

 
 
 

Werners Leitspruch: „Ohne Arbeit früh bis spät kann dir nichts geraten, der Neid sieht nur das Blumenbeet, aber nie den Spaten.“

Gärtner sein ist eine Berufung und kein Beruf, da ist sich Werner Tartarotti sicher. Die Begeisterung für die Natur steckt bereits seit Kindheitstagen in ihm. Nach seiner Ausbildung hat Werner 17 Jahre lang in einem Gärtnerei-Betrieb gearbeitet, ehe er den Schritt zur Selbständigkeit wagte. „Der erste Tag in meiner eigenen Gärtnerei war der Wahnsinn, ich konnte es kaum glauben“, erinnert er sich, „leicht ist es aber nicht immer, vor allem, weil die Kunden heutzutage gewohnt sind, zu jeder Jahreszeit alles zu kriegen.“

Ein Glashaus, ein Erdgewächshaus, einen Folientunnel und etwas Fläche im Freien, mehr hat die kleine Gärtnerei nicht zur Verfügung. Dementsprechend sieht auch Werners Eigenproduktion aus. Wenn die Pflanzen hier im Frühling darauf warten, ins Freie verlagert zu werden, wird es ganz schön eng. „Dann muss ich alles vollstopfen, bis obenhin“, sagt der Chef und zieht die Schultern hoch. Das Verlagern der Jungpflanzen ins Freie sei dann immer ein Spiel mit dem Feuer. Schließlich hänge die Existenz des jungen Gärtners daran. Ab und an hat Werner auch schon verloren. Zu kalte Frühlings-Nächte haben ihm dann eine ganze Partie junger Tomaten zerstört. Trotzdem schwört er darauf, alle Pflanzen, die in der kleinen Gärtnerei Platz finden, selbst vom Samen groß zu ziehen. Auch wenn es verführerisch sei, die Pflanzen per Mouse-Klick einmal pro Woche im Internet zu bestellen. „Die Freude ist umso größer, wenn man die Pflanze, die man selbst großgezogen hat, am Ende in die Hände des Kunden weitergeben kann“, meint Werner.

Das bestätigt auch seine Mutter. Als stilles Helferlein steht sie ab und an halbtags mit Werner in der kleinen Gärtnerei und hilft aus. Heute pikiert sie die jungen Stiefmütterchen für den nächsten Frühling. Nur zwei kleine Keimblätter haben sie bis jetzt aus dem Boden geschoben. Mit aller Vorsicht zieht sie Werners Mutter daher einzeln aus der Erde und steckt sie mit einem Pikierstab gleich nebenan gekonnt in eine eigene Abteilung. „Eine entspannende Arbeit“, meint sie und grinst zufrieden.

Nach Allerheiligen geht das Gartl in Winterpause und Werner zum Rebenschneiden. „Ich muss einfach immer draußen sein, ich kann nicht in einem Raum arbeiten“, gesteht der Naturbursche. Obwohl sie in der Gärtnerei bereits im alten Jahr startet, fängt die neue Saison offiziell dann erst mit dem Einläuten des neuen Jahres an. Dann werden neue Pflanzen ausgesät, die Größeren pikiert und Stecklinge gemacht. Und mit dem Valentinstag wird wieder eröffnet.

 
 
Veröffentlicht am 06.10.2017
 
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