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Der Spurenleser

Keiner kennt den Montiggler Wald so gut wie Martin Ebner. Lisa Maria Kager hat
den Gemeindeförster im Naturschutzgebiet getroffen.
 
„Es gibt keinen schöneren Wald als diesen hier“, sagt Martin Ebner. Durch das Ästegewirr fallen einzelne Sonnenstrahlen dem Eppaner direkt ins Gesicht. „Der Laubmischwald in Montiggl ist ein ökologisches und landschaftliches Juwel“, erklärt er. Martin Ebner ist Gemeindeförster von Eppan und führt mich durch das Naturschutzgebiet um die beiden Montiggler Seen. Seit mittlerweile zehn Jahren sorgt er mit seinem Team dafür, dass sich im Wald der Gemeinde nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Mountainbiker, Wanderer, Schwimmer, Kletterer, Imker, Jäger und Naturliebhaber wohlfühlen. Als „Naherholungszone für alle“ bezeichnet er selbst „seinen“ Wald.

DEN WALD VERSTEHEN
Von mächtigen Eichen und Föhren über Kirsch- und Kastanienbäume bis herunter zu niedrigen Büschen wächst und wuchert hier alles. Doch im Naturschutzgebiet Montiggl ist auch die Fauna einzigartig. „Neben dem Wild und den Vögeln gibt es hier auch Fische und die Bienen, die von den Imkern im Wald gehalten werden“, erzählt Martin. Plötzlich zeigt er in die Büsche. „Siehst du die Gebirgsstelze dort drüben?“, fragt er. „Da, mit dem gelben Brüstchen“, flüstert Martin. Ich folge seinem Finger und entdecke ihn schließlich, den kleinen Singvogel, der nun auf dem Waldboden umherspringt. Steht man mit Martin im Wald, wird einem stets aufs Neue bewusst, dass die Sinne eines Försters anders funktionieren als die eines Normalsterblichen. Beim Wandern über den weichen Waldboden weist er immer wieder auf frische Fährten von Rehen oder anderen Waldbewohnern, und selbst während er spricht, hört Martin im Wald verschiedenste Vogelarten zwitschern. Zu jeder Stimme weiß er den Sänger zu nennen. Martins Hobby sind nämlich nicht nur die Jagd und die Fischerei, er ist auch Vogelzüchter.
 
 
 
„Mit der Natur leben“ ist das Motto der Förster.

IM RHYTHMUS DER NATUR
„Mit der Natur leben“ ist das Motto der Förster. „Anders ginge es nicht“, gibt Martin zu. Will er mit seinen Waldarbeitern im Montiggler Wald einen Baum fällen, muss er zuerst den Mondkalender konsultieren. Er zeigt auf einen Baum einige Meter vor uns und erklärt: „Schneidet man diese Erle im falschen Mond, stirbt der Stock einfach ab.“
Fragt man ihn danach, was ihm an seiner Arbeit am besten gefällt, antwortet der Eppaner, noch bevor die Frage zu Ende gestellt ist: „Alles.“ Martin grinst und gewährt mir den Vortritt ins neu angelegte Biotop am Rande des Großen Montiggler Sees. Unser Weg zum Ufer führt über große Erdhügel. „Die sind für die Eisvögel“, erklärt der Förster. Der blau-orange Vogel brütet nämlich in Erdhöhlen und ist in der Nähe vom Wasser anzufinden. Auch eine Rohrdommel hat Martin hier bereits gesichtet, einen großen, braunen Stelzenvogel, der im Schilf stehend mit offenem Schnabel kaum zu erkennen ist. „Ein seltener Vogel ist das, der sich perfekt tarnt“, erklärt der Förster. Doch nicht nur für die Vögel haben die Waldarbeiter hier eine neue Heimat geschaffen, auch für die Fische hat man einen Flachwasserbereich angelegt. „Damit Fische laichen können, brauchen sie flaches Wasser, das sich schnell aufwärmt“, erklärt Martin. Der Förster wirft ein Steinchen ins Wasser, um mir einen Sonnenbarsch zu zeigen, der sich mit seiner Sandfarbe perfekt tarnt. Ich kneife meine Augen zusammen, erkenne den Fisch jedoch erst, als das Steinchen im Wasser landet und ihn zum Davonschwimmen zwingt.

SEKRETÄR, WACHTMEISTER UND LEHRER
Die Aufgaben eines Försters sind vielfältiger, als man auf den ersten Blick meinen mag. Ein Förster ist vieles in einer Person: Büroangestellter, Waldarbeiter, Touristenführer und Berater. „Ein Förster sorgt für die Einhaltung der Landesgesetze, die mit der Natur zu tun haben“, erklärt Martin. „Wir räumen den Wald auf, kontrollieren, dass Steige und Wege in Ordnung sind, und entscheiden zusammen mit der Gemeinde, was durchforstet, was verkauft und was neu gepflanzt wird“, erklärt er weiter. Um zu wissen, welche Bäume man wann pflanzt, hat ein Förster einen Waldbehandlungsplan, der alle 15 Jahre erneuert wird. Darin wird verzeichnet, was im Wald passiert.
Auch Strafen muss Martin ab und zu ausstellen. Der Montiggler Wald steht wie ein Naturpark unter Schutz und das bedeutet, dass manche Dinge hier einfach verboten sind, zum Beispiel das Sammeln von Pilzen. Die Hauptaufgabe des Försters ist aber immer noch die Koordination. „In letzter Zeit überwiegt leider oft die Bürokratie“, bedauert der Förster. In den Wald kommt er nicht mehr allzu oft, dafür sind eher die Waldarbeiter der Gemeinde zuständig. Neben der Arbeit im Freien macht Martin vor allem die Öffentlichkeitsarbeit Spaß. „Ich mag es, Menschen etwas beizubringen“, sagt er, „wir machen auf Anfrage nicht nur Führungen durch den Wald, sondern pflanzen mit Schulklassen junge Bäumchen oder erklären der Presse auch einmal etwas über Gefahren im Wald.“ Einen Lieblingsplatz im Eppaner Wald hat Martin Ebner nicht. „Mir gefällt hier jeder Winkel“, sagt der Förster und blickt durch die Baumkronen in Richtung Himmel.
 
 
Veröffentlicht am 19.01.2017
 
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