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eppanKLASSIK | Schöne Töne

Als Meistersängerin war Brigitte Fassbaender auf allen wichtigen Bühnen der Welt zuhause. Ihre Schaffenslaune ist auch jenseits der 70 ungebrochen, wobei sie als künstlerische Leiterin und Dozentin eines Meisterkurses dem Eppaner Liedsommer seit zehn Jahren ihren Stempel aufdrückt.
 

Er wirkt schelmisch, frei von allen Sorgen und schaut sogar etwas verschlafen aus seiner jugendlichen Wäsche. Ob der struwwelige Lockenkopf diesen Eindruck erhärtet? Nichts weist auf die besondere Gabe des jungen Burschen hin, der im von einem Kreuzgewölbe durchzogenen Raum des rundum erneuerten Lanserhauses seine paar Notenblätter zusammenpackt und sich auf Anweisung der renommierten Pädagogin zum Flügel bewegt. Dort aber erheb sich Fabian, holt tief Luft und gewinnt mit beeindruckendem Stimmvolumen die rund 20 Zuhörer für sich. Mimik und Gestik untermalen die Textpassagen, der gesamte Körper gibt sich der Produktion vollendeter Töne hin. Vor ihm hat Brigitte Fassbaender, in eine rote Robe gehüllt, Platz genommen. Ihr Kommentar zum soeben Gehörten: „Du musst die Lippen nicht so stark formen, der Ton kommt von innen raus. Zeige das, was du singst, wir wollen spüren, was dich bewegt. Etwas mehr Betonung auf das Bächlein und das Rauschen.“ Fabian lässt drei, vier weitere Male einen Auszug aus Franz Schuberts berühmten Liederzyklus „die schöne Müllerin“ erklingen und macht sich Fassbaenders Ratschläge zu eigen. Sie nickt zufrieden und meint: „Sehr gut. Du musst dir nur vorstellen, deine Liebste ist eine dicke Müllerin und du möchtest sie umarmen. Dann stimmt der Ton.“ Die Anwesenden, großteils selbst Kursteilnehmer beim Eppaner Liedsommer 2012, brechen in Gelächter aus. Fabian nimmt’s wohlwollend zur Kenntnis. Nach rund zehn Stunden Unterricht auf höchstem Niveau winkt für Fassbaender endlich der wohlverdiente Feierabend. Die 73 Jahre sieht man der gebürtigen Berlinerin, mittlerweile im Chiemgau beheimatet, ohnehin nicht an, wobei vor allem ihre nach wie vor vielfältigen und verantwortungsvollen Engagements beeindrucken. Musik ermüdet nicht, sie beseelt. Ganz speziell hier, in diesem von Gott gesegnetem Landstrich. „Diese traumhafte Kombination von Landschaft, alten Ansitzen, Wein und herrlicher Musik prädestiniert Eppan zu einem Ort, wo die Menschen Ferien und Kultur zusammen genießen möchten“, gerät sie ins Schwärmen. Auch sie selbst genießt nun schon seit zehn Jahren dieses harmonische Zusammenspiel, bereichert es darüber hinaus mit ihrem engagierten Zutun. Seit sie die künstlerische Leitung des Eppaner Liedsommers innehat, kommen nicht nur aufstrebende Gesangstalente, sondern auch Musiker von Weltruhm. Opernstar Cheryl Studer etwa konnte 2012 für die Leitung eines Meisterkurses des Eppaner Liedsommers gewonnen werden.

 
 
 

EPPANER LIEDSOMMER

Zwei Meisterkurse unter professioneller Führung stellen das Herz des zehntägigen Festivals „Eppaner Liedsommer“ im Juli jeden Jahres dar. Die Meisterkurse sind öffentlich zugänglich, sodass sich Publikum, Studenten und Lehrende gegenseitig kennen und schätzen lernen können. Im Abschlusskonzert zeigen die Studenten das Erprobte. In den parallel dazu stattfindenden Liederabenden bzw. der Liedermatinée treten Sänger und Pianisten von Weltruf im Lanserhaus oder Eppaner Kultursaal auf. Organisiert wird der bereits seit 30 Jahren abgehaltene Liedsommer vom Südtiroler Bildungszentrum. Seit zehn Jahren ist Brigitte Fassbaender künstlerische Leiterin, zudem hält sie einen der beiden Meisterkurse.

www.eppanerliedsommer.com

Weltstars zu Gast in Eppan

„Die Bedingungen hier sind einfach perfekt: Zwei herrliche Konzertsäle mit großartiger Akustik, der hervorragende Flügel, und dazu versuchen wir einen erstklassigen Service anzubieten“, erklärt Fassbaender. Also kommen sie aus aller Welt, die gefeierten Bühnenstars: Pianistin Anahit Ter-Tatshatyan aus Armenien, Oresta Cybriwsky, ebenso Pianistin, aus Massachusetts, der lyrische Bariton Nikolay Borchev aus Weißrussland,diverse weitere Kammersänger wie Christian Elsner oder Susanne Langbein aus Deutschland. Sie kommen vor allem wegen Fassbaender, für einen Freundschaftspreis. Plus zeugen 40 Anmeldungen zu den Meisterkursen von ungebrochenem Interesse. Unter die große Begeisterung mischt sich jedoch auch ein Wermutstropfen: der überschaubare Publikumszuspruch. Das Lied besetzt eben bloß eine Nische im reichhaltigen kulturellen Angebot. Fassbaender selbst entdeckte Eppan durch den Südtiroler Künstler und
Sänger Gotthard Bonell, mit dem sie eine langjährige Freundschaft und darüber hinaus die Leidenschaft zur Malerei verbindet. Sie bezeichnet die Malerei als ihre zweite Art von Kreativität. Bonell hatte sie zu einem Meisterkurs eingeladen und sie widmete sich daraufhin mit all ihrem sie kennzeichnenden Tatendrang der Weiterentwicklung und Pflege des Liedes in Eppan. Führt man sich so manche Textzeile von Heinrich Heine, Otto Julius Bierbaum oder Friedrich Hebbel zu Gemüte, dann scheinen die längst verblichenen Dichter tatsächlich von Eppan zu sprechen: Liebesglück, Abschiedsschmerz oder existentielle Fragen sind stets eingebettet in eine idealisierte Naturlandschaft mit rauschenden Bächlein, zwitschernden Vöglein oder mildem Frühlingswind. Man muss sich vom Lanserhaus bloß ins Freie bewegen, sich umsehen und die dargebotenen Lieder erwachen flugs zum Leben.

Musik hält jung

Fassbaenders eigenes künstlerisches Potential scheint beinahe unendlich, der Quell ihrer Kreativität sprudelt wie eh und je. Ihre Karriere begann die Tochter eines weltberühmten Baritons und einer Schauspielerin als 21-Jährige mit dem Debüt an der Münchener Staatsoper. In den 1970er-Jahren trat sie als Opernsängerin in allen bedeutenden Häusern der Welt auf. Im Laufe ihrer Karriere spielte sie 250 Alben ein und bekam den renommierten Grammophone-Award überreicht. 1995 beendete sie ihre Gesangskarriere und widmete sich fortan der Regie. Rund 50 Inszenierungen und die kürzlich beendete 13-jährige Intendanz beim Tiroler Landestheaters in Innsbruck zeugen von einer regen Tätigkeit. Zur Leitung des Eppaner Liedsommers kommt auch jene des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen. Ein Workaholic sei sie, hat sie mal verlautbaren lassen. Sie fand sogar die Zeit, die Libretti zu zwei Musicals zu schreiben, die in Innsbruck uraufgeführt wurden. Wenn man sie dann bei ihrem Wirken als Pädagogin betrachtet, so dringt nichts durch von der einst schillernden Kammersängerin, keine Spur von Arroganz, Ungeduld oder Launenhaftigkeit. Sie weiß, Künstler sind verletzliche Seelen und die Worte wollen vorsichtig abgewogen werden. So gibt sie ihre immerwährende Liebe zum Lied der nächsten Generation weiter. Struwweligen Lockenköpfen und den vielen anderen Goldkehlchen gefällt’s.

 
 
Veröffentlicht am 30.04.2014
 
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