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Kunst aus Wasser und Gas

Vor drei Jahren hat das Schwesternduo Kathrin und Sarah Oberrauch die Künstlerresidenz „Eau & Gaz“ ins Leben gerufen. Ein Projekt, bei dem durch Lebensgrundlagen Meisterwerke entstehen.
 
„Um an etwas Bestimmtem zu arbeiten, ist es immer gut, die gewohnte Umgebung zu verlassen“, meint Kathrin Oberrauch, während sie in einer alten Gewölbewohnung am Anfang der Eppaner Goldgasse steht. Hier, zwischen urigen Holztüren, bietet sie gemeinsam mit ihrer Schwester seit mittlerweile vier Jahren Kreativen aus aller Welt eine Residenz. „Eau & Gaz“ hat das Schwesternduo das Projekt getauft, das KünstlerInnen, KuratorInnen, FilmemacherInnen und MusikerInnen bis zu drei Monate lang nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern - wie der Name bereits verrät - auch Wasser und Gas bietet. „Die Lebensgrundlagen eben“, meint Kathrin Oberrauch und erzählt vom Ursprung des Slogans, der sich um die Jahrhundertwende in Frankreich etabliert hat. Damals hing ein Schild mit einer solchen Aufschrift an jeder Tür eines für die damalige Zeit „modernen“ Hauses.

Heute steht ein solches als Dekoration im Flur der Wohnung in St. Michael | Eppan. Gerade residieren hier die Künstler für die vierte Edition von „Eau & Gaz“, die im nächsten Jahr stattfinden wird. Genauso wie ihre Vorgänger haben die KünstlerInnen zur Vorbereitung neben der Wohnung auch noch einen zweistöckigen Arbeitsraum zur Verfügung. Inspiriert von der neuen Umgebung entstehen so übers ganze Jahr verteilt verschiedenste Werke, die am Ende über einen Monat lang in den Räumlichkeiten des Lanserhauses ausgestellt werden. Dort hat jede KünstlerIn ein bis zwei Räume zur Verfügung, die er oder sie frei gestalten darf. „Junge KünstlerInnen haben meistens nur die Möglichkeit, eine einzige Arbeit auszustellen, und das ist einfach wenig“, erklärt Kathrin. Einer der Gründe, der die beiden Schwestern dazu motiviert hat, eine solche „Residency“ in St. Michael | Eppan zu starten. „Hier haben die KünstlerInnen außerdem ihre Ruhe“, meint sie, „auf dem Land hat man einfach nicht so viele Störungen von außen.“ St. Michael | Eppan wäre daher der ideale Ort für Künstler, um kurzzeitig aus dem Alltag auszubrechen und in eine kreative Auszeit einzutauchen.

Ursprünglich stammt das Schwesternduo vom Ritten. Mit fünf und zehn Jahren ist ihre Familie jedoch nach Eppan umgezogen, wo Kathrin und Sarah im Schloss Gandegg eine neue Heimat gefunden haben. Nach dem Studium der Kunst, Pädagogik und Philosophie lebt Sarah heute immer noch in Berlin. Kathrin hingegen ist nach ihrem Studium des Grafikdesigns und der Neuen Medien schließlich nach Tel Aviv gezogen. Die letzten Jahre hat sie dort verbracht und sich verschiedensten Projekten zur zeitgenössischen Kunst gewidmet. Als Kuratorin arbeitet sie mittlerweile seit zehn Jahren. „Mein Dasein als solche hängt stark mit der Sammlung Finstral zusammen, die unser Vater initiiert hat und die ich betreue“, erzählt Kathrin. Hans Oberrauch ist nicht nur der Gründer der Südtiroler Firma Finstral, sondern auch dessen umfangreicher Sammlung an zeitgenössischer Kunst. Für ihn bedeutet die Auseinandersetzung mit dieser eine Öffnung auf die Welt. Die Werke, die Größtenteils im Schloss der Familie und an fünf ihrer Firmensitze ausgestellt sind, wählt er stets nach seinem eigenen Gefühl aus.
 
 
 
Eine Leidenschaft, die er seinen Töchtern offensichtlich vererbt hat. „Wenn man einmal damit anfängt, kommt man nicht mehr so schnell davon los“, erzählt Kathrin. Neben Tel Aviv zählen auch noch San Gimignano und Berlin zu den wichtigsten Stops in Kathrins Leben. Vor vier Jahren kehrte sie gemeinsam mit ihrer Schwester jedoch wieder zum Ursprung zurück. „Hier wohnt nicht nur unsere Familie, hier hat man auch die Möglichkeit etwas Eigenständiges auf die Beine zu stellen“, meint sie. Wenn es zuerst nur für den Start ihres Projekts „Eau & Gaz“ war, ist Kathrin mittlerweile wieder fix von der israelischen Großstadt ins beschauliche Südtirol gezogen. Die Landschaft und die Zweisprachigkeit hier gefalle der Rittnerin am besten und auch, dass man immer wieder zufällig Bekannte treffe. „Hier gibt es auch mehr Platz als in einer Großstadt“, meint Kathrin. Das wusste sie bereits vor sieben Jahren zu schätzen, als sie mit „Common Sense“ ihr Debut im Lanserhaus feierte. Damit wollte sie die Kunst unter einem Dach vereinen. „Künstler aus Südtirol und von auswärts waren hier“, erinnert sich die Kuratorin. Für Kathrin steht damals wie heute jedoch dasselbe im Vordergrund: Es soll nicht nur um die ausgestellten Objekte gehen, sondern auch um die Personen, die diese kreieren. „So hat man auch die Möglichkeit in einen Dialog zu treten“, meint sie. Auch deshalb kam ihr, gemeinsam mit Schwester Sarah, die Idee für die „Residency“.
In diesem Jahr kommt die Mischung aus jungen und erfahreneren KünstlerInnen und AutorInnen aus den Niederlanden, Berlin, Frankreich, Schweden und Großbritannien. Sie werden das Ergebnis der Arbeit des vergangenen Jahres ausstellen. Beworben hat sich jedoch keiner von ihnen. „Wir wollten nicht, dass sich die Künstler bei uns mit einem Werk bewerben und dieses bis am Ende der Residency fertigstellen müssen“, erklärt Kathrin. Darum funktioniert es bei „Eau & Gaz“ so, dass jeder, der am Projekt teilnimmt, Künstler und Künstlerinnen vorschlagen kann und diese schließlich von Kathrin und Sarah ausgesucht werden. Sobald das Gerüst der Ausstellung steht, wird auch noch ein Künstler aus Südtirol oder dem Trentino eingeladen. Das Thema der jeweiligen Edition wird ebenfalls nicht geplant, sondern kristallisiert sich im Laufe der Zeit heraus. Klassisch wird es jedenfalls nie sein. „In diesem Jahr wird der Schwerpunkt im Bereich Performance liegen.“ Immer wieder aufs Neue sei es eine Herausforderung, Sachen anders zu betrachten und neue Denkweisen zu kriegen, sagt Kathrin. Aber genau deshalb liebe sie die Kunst so sehr.

Auch die Besucher lieben „Eau & Gaz“ und geben jedes Jahr wieder ihr positives Feedback ab. „Sogar einige der KünstlerInnen kommen immer wieder, um sich auch die Werke ihrer Nachfolger anzusehen“, erzählt Kathrin stolz. Im Mai diesen Jahres werden Jonathan Lahey Dronsfield, Eugenia Lapteva, Arnaud Lajeunie, Christian Fogarolli, Michelle VVolta, Susan Kooi und Lukas Hoffmann ihre Werke ausstellen. Die Texte für das jählriche Heft stammen von Hanne Lippard, Margareth Kaserer, Maurits de Bruijn.

„Fotograf Arnaud Lajeunie ist einer von den KünstlerInnen in diesem Jahr. Er arbeitet zwischen zeitgenössischer Kunst und Modefotografie“, sagt Kathrin und zeigt einen Katalog mit seinen Werken. Mitten im Blättern hält sie an und streicht über ein dunkles Foto mit einem grün leuchtenden Stein in dessen Mitte. Immer wieder gebe es in seiner Arbeit Unterbrechnungen durch Landschaftsfotografie. „Im vergangenen Sommer war er in Eppan und hat im Rahmen der Residency verschiedene Steine bei den Eislöchern mit biologischer Farbe bepinselt und anschließend fotografiert“, erzählt Kathrin weiter. Diese speichert Licht, das sie abends wieder abgibt. Im Sommer sei die Organisatorin für diese Arbeit immer wieder mit dem Künstler zu den Eislöchern gewandert. „Es war ganz anders meine Heimat so kennenzulernen“, erzählt sie, strahlt und blättert weiter. Ausgestellt werden seine Fotos zusammen mit all den anderen Werken vom 26. Mai. bis am 25. Juni im Lanserhaus. Neben einem talk und einer Nachtwanderung besteht ein Highlight in diesem Jahr in einer besonderen Performance, die 24 Stunden dauern wird. „Der britische Philosoph und Künstler Jonathan Lahey Dronsfield wird dabei von Spinoza lesen“, verrät Kathrin. Und auch ein Chor aus Berlin wird dieses Jahr dabei sein und sowohl Chorstunden als auch Aufführungen geben.
 
 
Veröffentlicht am 22.05.2017
 
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