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Vollkommen ausspannen

Erholung an einem historischen Luftkurort
 
In Eppan an der Südtiroler Weinstraße können sich Gäste aus nah und fern bestens erholen – offiziell seit genau 140 Jahren. Viele Adelige, Künstler und Schriftsteller haben seitdem in Eppan Halt gemacht und den Ort für sich als Kraftzentrum entdeckt und genutzt.
 
Wenn sich 2012 der Todestag des bekannten Literaten Karl May zum 100. Mal jährt, darf dem Winnetou-Erfinder, Reiseschriftsteller und Verfasser unzähliger Abenteuerromane auch im Süden Südtirols gedacht werden, denn hier hat Karl May immer wieder erholsame Tage verbracht – zum letzten Mal 1911. Nach einer turbulenten Ehekrise, die May bereits einige Jahre zuvor im Hotel Penegal am Mendelpass auf abenteuerliche Weise ausstehen musste, verlässt er den Süden Südtirols am 22. Juli 1911 mit einer letzten Wanderung am Montiggler See. Schlicht und einfach „wundervoll“ beschreibt Klara Plöhn, Karl Mays zweite Ehefrau, diesen letzten Ausflug in ihrem Tagebuch.
 
Die beiden Seen samt dem romantischen Seeschlösschen waren damals im Besitz des Adeligen Josef von Zastrow. Heute, rund 100 Jahre nach Karl Mays letztem Südtirol-Abstecher, sind die beiden mit ausgezeichneter Wasserqualität ausgestatteten Badeseen Allgemeingut. Sie werden von vielen Südtirolern und Urlaubern besucht, die hier im Frühling und Herbst wohltuende Wanderungen oder bequeme Radtouren durchführen, sich an heißen Sommertagen im frischen Nass abkühlen oder im Winter auf kantigen Kufen über spiegelglattes Eis gleiten.
 
BURGEN, ANSITZE UND SCHLÖSSER

Das kleine Dorf Montiggl, mit seiner berührenden Waldseeromantik, hat im Lauf der Zeit das landschaftlich schmucke Gemeindegebiet lieblich mitgestaltet. Daneben bietet Eppan ein mittelalterliches, und später vom Tiroler und Wiener Adel geprägtes, beeindruckendes Ensemble an historischer Bausubstanz, mit unzähligen Schlössern, Burgen und Ansitzen. Aber auch viele sehenswerte bäuerliche Höfe und beinahe unberührte Weiler konnte  ihren Charme bis in unsere Gegenwart retten.
 
Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts findet die architektonische Schönheit Eppans, die beeindruckende Landschaft und das milde Klima, vermehrt Eingang in reiseliterarische Drucksorten. Erwähnt werden muss an dieser Stelle der Autor Ludwig Steub, dem es durch seine schriftstellerische Tätigkeit gelang, den im Bozner Raum entstandenen Begriff „Sommerfrische“, zu einem heute üblichen Begriff im deutschen Sprachraum zu etablieren.
Zu Eppan und seinen kleinen dörflichen Siedlungen notierte Steub Folgendes: „Die Dörfer, die wir nun durchwandern, sind voll städtischer Häuser mit großen Portalen, mit Erkern und Thürmen, mit romanischen Doppelfenstern und grünen Jalousieläden, zumeist von lachenden Gärten umgeben, aus denen dunkle Cypressen aufspitzen. Die Landschaft gehört zu den schönsten in ganz Tirol […]“.
 
 
 
EPPAN WIRD ZUM LUFTKURORT
 
Mit Beginn der 1870er Jahre entwickelte sich der Großraum Eppanzum gesetzlich anerkannten Luftkurort. Dabei profitierte der Eppaner Landstrich insbesondere von ersten Eisenbahnreisenden, welche die im selben Zeitraum realisierte Eisenbahnverbindung durch Tirol nutzten. 1872 wurde im kleinen Kreis, rund um den rührigen Gemeindearzt Dr. Jakob Benoni, der Grundstein für die touristische Entwicklung Eppans gelegt. Im Bote für Tirol und Vorarlberg vom 30. August 1872 wurden in einem Artikel über die Gründung des Curvereins die Eppaner Kurort-Bestrebungen auf den Punkt gebracht: „[…] nirgends wirken alle Umstände wie Klima, Schönheit der Gegend etc. mehr zusammen, um den Fremden, der seiner Gesundheit wegen nach dem warmen Sü- den zieht, oder von den Mühen eines ganzen Jahres auszuruhen ein sicheres Asyl finden möchte, den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen.“ Bereits bei der Versammlung des Vereins, wurde wenige Wochen danach verkündet, dass die staatliche Regierung in Wien die Statuten des Cur- und Verschönerungsvereins genehmigt hat – Eppan war nun offiziell „climatischer Kurort“.
 
NEUE WIRTSHÄUSER ENTSTEHEN

Der Verfasser der Broschüre Klimatische Winterkurorte; ein Leitfaden für Ärzte und Laien befürchtete zwar, dass Eppan „als klimatischer Kurort mit Gries Concurrenz zu treten droht“, doch ob Gries bei Bozen oder Eppan – mit den neuen Erholungsgästen war im Bozner Raum und im Überetsch eine neue Ära angebrochen, die besonders für Wirtshäuser und Weinhändler nachhaltigen Einfluss nahm und bis heute spürbar ist.
 
Die ersten „Fremden“ wurden in den beiden „comfortablen“ Gasthäusern „Zum Rössl“ und „Sonne“ in St. Michael, oder im „Adler“ in St. Pauls untergebracht. Mit markanten Slogans wie „Empfehle 12 hübsche und gut eingerichtete Fremdenzimmer, bei vorzüglicher Küche, prompter Bedienung und billigen Preisen“ gelangten erste Werbeinserate in renommierte Reiseführer. Zusätzlich wurde für die Gäste mit täglichen Pferdeomnibusdiensten zwischen Eppan und Bozen eine bequeme An- und Abreise gewährleistet. Mit dem Jahr 1898 wurde eine neue Bahn ins Überetsch gebaut, das im Volksmund süffisant genannte „Lepsbahnl“. Diese Bahn brachte, in Kombination mit der ebenfalls neu errichteten Zahnradbahn zum Mendelpass, einen mobilen Aufschwung für das Überetsch und ließ im Eppan der Jahrhundertwende zwei neue Beherbergungsbetriebe entstehen. Zum einen wurde der Ansitz „Hammerspach“ zum „Hotel Eppanerhof“ umgebaut, zum anderen entstand am neuen Bahnhof ein Grandhotel, welches nach drei Jahren Hotelbetrieb in das finanziell lukrativere „Sanatorium Hocheppan“ umgewandelt wurde. Hier konnten während eines Erholungsaufenthaltes physische und diätetische Behandlungen in Anspruch genommen werden, daneben wurde den gesundheitsbewussten Gästen, ausgiebiges Luft- und Sonnenbaden empfohlen.
 
EPPANER TRAUBENKUR
 
Ab den 1920/30er Jahren werden im Eppaner Luftkurort verstärkt Traubenkuren angepriesen, ein neues touristisches Angebot, welches sogar vielen Weinliebhabern interessant erschien. Gut zwei Jahrzehnte nach den katastrophalen Kriegswirren des 2. Weltkriegs, gab es in den 1960er Jahren eine touristische Aufbruchsphase und die Tourismusverantwortlichen Eppans fügen dem Gemeindenamen den Beisatz „an der Südtiroler Weinstraße“ hinzu um neue Gästeschichten zu erschließen. Heute zieht Eppan vor allem jene Gäste an, welche sich genussvoll, in einem historisch und landschaftlich reizvollen Ambiente erholen möchten – ein wiederentdeckter Urlaubsgedanke, der hervorragend in ein zeitgemäßes, sanftes und nachhaltiges Tourismuskonzept unserer Tage passt.
 
Seit nunmehr 140 Jahren versuchen die Tourismustreibenden deshalb beständig, ihre Erholungsgäste an den vielen ruhigen Orten und beschaulichen Plätzen im „klimatischen Kurort Eppan“ zu verwöhnen, damit dem Gast hier vor allem eines gelingt: Vollkommen auszuspannen! .



Author: Martin Hanni, geb. 1975 in Bozen, absolvierte das Studium der Geschichte an der Universität Innsbruck.
Er arbeitet als freier Kulturpublizist und TV-Redakteur. Seit 2009 ist er Leiter der Dokumentationsstelle Literatur im Südtiroler Künstlerbund. Dieser Text ist ursprünglich im Südtirols Süden Magazin 2012 erschienen.

 
 
Veröffentlicht am 15.06.2015
 
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