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Wie der Wiedehopf

Fünf Generationen lang hat die Winzerfamilie Abraham ihre Trauben den Kellereigenossenschaften geliefert. Der jüngste Sprössling Martin hat nun beschlossen, Weine nach eigenem Gutdünken und auf eigenes Risiko herzustellen.
 
„Die Entscheidungsfindung hat mich einige schlaflose Nächte gekostet, aber jetzt bin ich stolz darauf“, meint Martin Abraham, nachdem der Start in die Eigenständigkeit vollzogen ist. Der Drang dazu habe letztlich über die Bedenken gesiegt. Seine Hofstelle befindet sich etwas versteckt im Eppaner Weiler Maderneid, hier schweift der Blick von einem Ozean an Rebanlagen bis hin zu weit entfernten, schroffen Bergformationen, von der Nähe in die Ferne. Abraham liefert einen Teil seiner Trauben zwar weiterhin der örtlichen Genossenschaft, doch einen Großteil der Ernte verarbeitet er nun selbst weiter. Der Jungwinzer wollte Herr seiner eigenen Erzeugnisse sein.

Die Genossenschafts-Kellereien genießen ein sehr hohes Ansehen, keine Frage. Sie punkten bei den Wettbewerben mit vielfach prämierten Erzeugnissen, lassen Fachleute beim Verkosten ihrer neuen Weine anerkennend nicken und haben ihrerseits den Bauern kompromissloses Qualitätsdenken eingeimpft. Das hat sich bezahlt gemacht, Südtirols Weine genießen derzeit ein sehr hohes Ansehen. Zudem bezahlen sie die Bauern gut und nehmen ihnen einen Großteil der Arbeit ab – ist das Lesegut erst mal abgeliefert, liegt der Ball für das Keltern, die Abfüllung, Etikettierung bis hin zur Auslieferung und Vermarktung bei der Genossenschaft. Folglich ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich in Eppan, Südtirols größter Weinanbaugemeinde mit mehreren Genossenschaften, die autonomen Erzeuger lockerleicht an einer Hand abzählen lassen.



„Stolz einerseits, unbeugsam andererseits.“

Martin Abraham zählt neuerdings dazu. Er, dessen Urgroßonkel der erste Kellermeister der Kellereigenossenschaft St. Pauls war, hat mit der Tradition gebrochen und stellt sich nun zusammen mit seiner Frau Marlies und seiner Familie all den damit verbundenen Risiken und Unwägbarkeiten. Einerseits. Andererseits verspürt er eine ungeheure Befriedigung, wenn die Trauben in die eigene Presse rutschen, im Keller der Gärvorgang fortschreitet, die ersten Flaschen abgefüllt sind und schließlich interessierte Abnehmer finden.

Den gesamten Prozess von der Pflege im Weinberg bis hin zur Vermarktung selbst abwickeln – das war der verwegene Traum der Jungwinzer Abraham, den sie sich nun erfüllt haben. Verwegen deshalb, weil ihn kaum jemand zu verwirklichen wagt. Nicht ohne weiteres gewährte die Bank einen Kredit, um den nötigen Maschinenpark anzukaufen und den Keller auszubauen, Eltern und Geschwister waren ebenfalls – gelinde gesagt – skeptisch, und die Dorfgemeinschaft reagierte verwundert bis leicht erzürnt. Auch in der Weinbranche sind die Zeiten nicht leichter geworden. Martin Abraham hat aber seinen eigenen Kopf, wollte sich nicht verbiegen, hatte die Idee, wie er es anpacken wollte. „Wir sind wie der Wiedehopf, selten und stolz einerseits, unbeugsam andererseits“, verweist er auf den seltenen Vogel mit gebogenem Schnabel und markanter Federhaube. In einem seiner Weinberge mit dem Namen Rosslauf lässt sich der Wiedehopf mitunter blicken, ihn hat er zum Sinnbild seiner Weinproduktion gewählt, und so prangt er nun auf allen Etiketten und Kartons.
 
 
 
Auch seine Marlies war für die Idee der Selbstverwirklichung von Anfang an Feuer und Flamme, sodass sie heute sagen: „Zu zweit ist man viel stärker“. Derweil toben ihre beiden kleinen Sonnenscheine im Hof herum, ein dritter wird recht bald folgen. Wer eigenhändig Wein produzieren will, muss schon ordentlich etwas drauf haben: Neben dem reinen fachlichen Know-how muss an Wirtschaftlichkeit, Marktsondierung, Markenstärkung und Vertrieb gedacht werden, reichlich Auflagen gilt es zu erfüllen und letztlich ist der Bauer immer noch stark vom Wetter abhängig. Doch unterm Strich beschert die Arbeit, aufgeteilt in viele Zyklen, großes Glücksgefühl.

„Nicht nur mit der Natur, auch mit vielen Kunden, Geschäftspartnern, Gleichgesinnten baut man intensive Beziehungen auf“, erklärt Martin. Nicht alle nötigen Produktionsmaschinen waren für den ersten eigenen Jahrgang vorhanden, aber wo ein Wille, da ein Weg: Die Nachbarn vom Bergmannhof halfen mit Abfüllanlage und Etikettiermaschine aus und bekamen im Gegenzug die Weinpresse geliehen. Sogar der noch ungekrönte Weinpapst des Ortes, Kellermeister Hans Terzer, hat es sich nicht nehmen lassen, den Abrahams einen Besuch abzustatten. „Ich werde dich nicht schonen“, sagte er und meinte damit das Urteil zu seinen ersten Erzeugnissen, um schließlich doch anerkennende Worte zu finden. In der Fachwelt ist man sich unterdessen einig: Es braucht die Großen und die Kleinen, die Genossenschaften genauso wie die Kleinerzeuger, die lediglich Nischen besetzen und dabei die gesamte Branche weiterbringen.

„Wir dürfen in Eppan von einer ungeheuren Vielfalt profitieren.“

Heute blicken Martin und Marlies Abraham auf ein rund fünf Hektar großes Gut, aufgeteilt in verschiedene Lagen, davon auch viele Apfelbäume, einen ersten Jahrgang mit 6.000 Flaschen und auch viel Anerkennung. Längst steht die gesamte Familie hinter ihnen, Vater wie Mutter und auch Geschwister helfen bei der Ernte mit. Gerne verweist Martin auf seine beiden ersten Linien, einen Weißburgunder und einen Cuvée aus Vernatsch und Blauburgunder, beide mit dem noch weitgehend unüblichen Glasverschluss versehen. Die Weißburgunder-Reben wurden noch von seinem Opa vor 50 Jahren gepflanzt. Den „Upupa“-Cuvee bezeichnet er als ungezähmten Vernatsch, ebenfalls aus alten Reben mit kleinen Trauben von der eigentlich recht unwirtlichen Lage Rosslauf. Jetzt benetzt er damit bedächtig Gaumen und Zunge und bescheinigt ihm eine schöne Säure und Salzigkeit. Natürlich kennt er sein Handwerk in- und auswendig, weiß, welche Nuancen die Aromatik beeinflussen oder dass der Wein profitiert, wenn er lang auf der Hefe liegt und das Holz den Sauerstoffaustausch gewährleistet.

Trotz alledem: Es gelte, die Einfachheit und Klarheit zu erkennen, alles Überflüssige wegzulassen und einen Tropfen reinster Natur herauszufiltern. „Wir sind Manager des Wachstumsgleichgewichts“, verdeutlicht er das moderne Verständnis des Weinbauern. Eppan sei geradezu gesegnet mit vielfältigen Böden, Lagen und Höhen, wo verschiedenartiges Mikroklima hinzukommt: Sonneneinstrahlung, Wind, kühle Nächte, Niederschlag – letztlich fließen all diese Faktoren in jeden Tropfen ein. Die große Achtung vor der Schöpfung, das Geben und Nehmen prägt wieder viel stärker das Denken der Weinbauern. Nach diesen Prinzipien arbeiten nicht nur die Abrahams. Eine erstaunliche Rückbesinnung auf das Credo der
 
 
Veröffentlicht am 03.03.2015
 
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