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Zeitreise auf Rädern

Bereits zum dritten Mal fand am vergangenen Wochenende die eppanBike Panoramica statt. Eine Fahrradtour für Liebhaber.
 
„Auf geat's!“ ruft Christoph Steiner, winkt mit seiner rechten Hand zum Start und löst damit ein Feuer aus Fahrradklingeln aus. Mit dicken Strümpfen, Knickerbockerhosen, Weste, Strohhütchen und einem Rucksack aus Stoff und Leder passt der Organisator perfekt auf sein altes Fahrrad. Und damit auch perfekt zu den restlichen 30 Teilnehmern der diesjährigen Ausgabe der eppanBike Panoramica. Eine Fahrradtour, die begeisterte Radler auf urigen Drahteseln und mit Klamotten von anno dazumal bekleidet, zu verschiedensten Etappen in der Gemeinde Eppan führt. Wein, köstliches Essen, Kultur und quietschende Fahrradbremsen lassen die Nostalgie bereits seit drei Jahren immer wieder im April hochleben.
Nach dem Startschuss geht es über die Weinstraße durch die engen Gassen des historischen Dorfes St. Pauls direkt auf das „Paulser Feld“, wie die Einheimischen den hinteren Dorfteil nennen, weil er zum größten Teil nur noch aus Feldern besteht. Zwischen zahlreichen Weinreben liegt dort der Sektbunker der Kellerei St. Pauls. Weil er früher als normales Bauernhaus getarnt war und als einziger der Südtiroler Bunker einen oberirdischen Stock besitzt, ragt er hoch über die Paulser Felder hinaus. Erbaut wurde der Schutzbunker zu Zeiten des zweiten Weltkrieges unter Mussolini und ist nur einer in der langen Verteidigungslinie, die sich quer über die Gemeinde zieht. Heute dient er als Lager des einzigartigen Praeclarus Sekts der Kellerei St. Pauls. Inmitten von 100.000 akkurat gestapelten Flaschen kriegen die Radler hier eine kurze Einführung in die Kunst der Sektherstellung, lernen von Lagerung und zweiter Gärung und dürfen den Bunker schließlich besichtigen. Dass jede der Flaschen für sechs Wochen lang jeden Tag per Hand um ein Viertel gedreht werden muss, wussten dabei die Wenigsten. Umso besser schmeckt das flüssige Gold am Ende bei einer Verkostung unter Kakilauben.
Doch lange Zeit zum Verweilen bleibt nicht, denn nach einer steilen Abfahrt durch die „Paulser Hehl“, wartet auf der anderen Seite ein Uphill Contest auf die Truppe. Bei strahlend blauem Himmel und warmem Sonnenschein erweist sich dieser als schweißtreibende Herausforderung. Schließlich gilt es, die rasend schnell abgebauten Höhenmeter wieder aufzuholen bis die Schotterstraßen zwischen den Weinreben des nächsten Dorfes Girlan erreicht sind. In uriger Radlmondur und mit hochgeklapptem Fahrradcap fährt dort der Sieger ein und lässt die schnaufende Truppe locker hinter sich. Vom Hunger getrieben halten schlussendlich aber doch alle durch und treten zwischen den historischen Weinhügeln an Wetterkreuzen und romantischen Bänkchen vorbei direkt in den Tannerhof.
Ein Spanferkel und ein kühles Forst-Bier hätte sich hier wohl niemand erwartet. Umso zufriedener sitzen die fleißigen Fahrradfahrer zur Mittagsrunde daher im winzigen Amphitheater des Vereinshauses in der Sonne. Während der Brotzeit findet nicht nur die Wahl zum besten Outfit der Tour statt, der eine oder andere lässt sich sogar zu etwas Gesang mit Gitarrenbegleitung überreden.
 
 
 
 
 
Dann brechen alle gemeinsam zum nächsten Stopp auf, der gar nicht mal so weit entfernt liegt. Die Kellerei Schreckbichl strahlt, bewachsen von blühenden Glyzinien, gerade so blau wie der Himmel. Obmann Max Niedermayer führt die Radler vorbei an großen Weinpressen in zehn Meter Tiefe, wo sie sich nicht nur von den warmen Sonnenstrahlen abkühlen können, sondern auch die Produktionsstätte der Kellerei besichtigen. In zwei verschiedenen Barrique-Kellern lagern Weine von knapp dreihundert verschiedenen Bauern, die ihre Trauben hierher liefern. Weil die alten Klamotten so gut zu den alten Fässern passen, wird im tiefen Keller noch schnell ein Gruppenfoto geschossen, bevor es zum letzten Halt weitergeht.
Wenn die urigen Bremsen bis hierhin ausgehalten haben, werden sie nun noch ein letztes Mal auf eine harte Probe gestellt. Die Abfahrt von Girlan zum Kunstpark Hochfrangart erweist sich als wahre Herausforderung für Räder und Fahrer. Kein Wunder, dass bei der Ankunft nicht nur die Ohren vom Gequietsche der Bremsen schmerzen, sondern auch noch ein alter Fahrradschlauch laut explodierend den Geist aufgibt. Der guten Laune der Fahrradtruppe macht das jedoch nichts aus, im Gegenteil, das Gelächter wird noch einmal verstärkt. Gemeinsam mit der Führerin Elisabeth Menke werden hier bei kurzen Beschreibungen die Kunstwerke des mittlerweile verstorbenen Mäzenen Karl Nicolussi Leck besichtigt. Gemeinsam arbeitet man sich so bis an den höchsten Punkt seines Grundstücks empor. Dort steht die acht Tonnen schwere silberne Kugel, die Franz Messner einst entworfen hat, - passender könnte es nicht sein - stabil auf einem von Mussolinis Bunkern. Am anderen Ende der Verteidigungslinie schließt sich der Kreis der Panoramica also wieder.
Ein letztes Erfrischungsgetränk stärkt im Schatten der Bäume noch einmal die müden Radlerbeine für die fünfte Etappe bis ans Ziel. Entlang des Radweges, der Bozen mit der Gemeinde Eppan verbindet, geht es stets gleichmäßig ansteigend wieder in Richtung Rathausplatz. Dort werden die nostalgischen Fahrradfahrer mit kleinen Snacks und kühlem Prosecco von Mein Beck empfangen und fordern sich daraufhin noch einmal zu einem allerletzten Wettkampf auf: Gewinnen soll dieses Mal derjenige, der auf seinem Fahrrad stehend so lange als möglich in einem auf den Boden gemalten Kreis verharren kann, ohne umzufallen. Der Sieger in grauem Sarner und schwarzem Damenrad hält knapp 25 Sekunden aus und freut sich in der anschließenden Preisverteilung über ein paar Socken der Südtiroler Firma WAMS?!. Auch die restlichen Preise finden noch ihre Besitzer, bevor der nostalgische Tag in geselliger Runde seinen Ausklang findet und man sich jetzt schon gespannt fragt, wie die Route wohl im nächsten Jahr aussehen wird.
 
 
Veröffentlicht am 27.04.2017
 
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