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Bozen hat einen Vogel

Das Frühlingserwachen als Fest der Sinne ist auch ein Erlebnis in der Luft. Denn zu keiner Jahreszeit ist die Vogelwelt so präsent wie zur Zeit ihrer Brautschau, wenn das laute Gezwitscher unseren Blick nach oben zieht.
 
In Begleitung eines Vogelkundlers zeigt sich Bozen aus ungewohntem Blick: Das Urban Birding feiert Einzug in unseren Städten. Und tatsächlich: Diese behutsame Annäherung an die Vogelwelt gibt ungeheuer viele Details zu Lebensraum und ökologischem Gleichgewicht der Gegend preis. Der Frühling ist nicht nur die Zeit der Bemühungen der männlichen Vögel um eine Partnerin, sondern auch der Rückkehr der Zugvögel wie Schwalbe, Blaukehlchen, Kranich, bzw. des langsamen Verschwindens der Wintergäste wie Kormorane, Enten und Mäusebussarde. Hochbetrieb am Himmel: Alle Gefiederten rufen und singen, um auf sich aufmerksam zu machen.
 
Wir treffen den passionierten Ornithologen Erich Gasser in den Morgenstunden mitten im Stadtzentrum am Flussufer der Talfer. Sein Blick und Ohr sind geschärft von wöchentlichen Streifzügen durch Südtirols Kulturlandschaft und Gebirge. Einen Feldstecher trägt er aus Gewohnheit immer mit sich. Bei seinen Beobachtungen und stichprobenartigen Erhebungen des Vogelbestands für das italienweite MITO-Projekt nimmt er auch die Kamera mit. 
Mit sieben Jahren hat der heute 69-Jährige seine Liebe zu den Vögeln entdeckt, im Garten seiner Großeltern und in der Begegnung mit einem Vogelpräparator in der Nachbarschaft. Schon als Oberschüler und später als Student hat er in seiner Freizeit Biotope aufgesucht, um Vögel zu beobachten. 1974 hat er gemeinsam mit Gleichgesinnten die Südtiroler Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz gegründet, deren aktives Mitglied er bis heute ist. Diese älteste Naturschutzorganisation des Landes kümmert sich um das Wohlergeben der heimischen Vogelwelt. Als Grundschullehrer hat Erich jahrzehntelang Generationen von Kindern für die Natur begeistert.
 
 
 
Bozens Vogelwelt
Diese Begeisterung gibt er auch heute gern weiter. Trotz Verkehr und geschlossener Siedlung hat die Stadt durch die Umgebung mit Busch- und Mischwald, Weinbergen und Obstwiesen, und durch die Durchquerung von drei Flüssen recht intakte Lebensräume für Vögel bewahrt, weil die Flüsse nicht verbaut oder später renaturiert wurden. Ornithologisch sind die Kiesinseln und Schlickflächen in der Flusslandschaft interessant, besonders für die Durchzügler im Frühjahr. Die Mittelmeermöwe hat sich in der Umgebung der großen Flüsse auf den Flachdächern der Stadt ganzjährig eingerichtet. Sogar die Lachmöwe und der Schwarzmilan sind gelegentlich anzutreffen. Im Bozner Siedlungsraum finden sich an den Gebäuden vor allem Schwalben, Mauersegler, Fahlsegler, Dohlen (nisten am Kirchturm des Bozner Doms) und Bachstelzen. In Gärten und Parkanlagen hingegen allerlei Meisen und Finken, der Italiensperling (Spatz), das Rotkehlchen, Amseln, Kleiber und Sperber.
 
Eine intakte Biodiversität
Vögel und ihre Nahrung, die Insekten, sind die sichtbarsten Indikatoren für eine intakte Biodiversität. Bleiben Insekten weg, nimmt auch die Vogelpopulation ab. Die ökologische Kette ist gestört, das erkennt man besonders eklatant an deren Ende, bei den Raubvögeln - einem Uhu, Wanderfalken oder Steinadler zum Beispiel. Vögel sind darüber hinaus auch Nützlinge in der Schädlingsbekämpfung. Der Artenvielfalt kann jeder von uns nachhelfen, gerade in der Stadt. Da heißt es Gärten naturnah gestalten: standortgerechte Pflanzenarten setzen, die Vogelbeeren bieten, alte Obstbäume stehen lassen, nicht zu fleißig Laub wegkehren, Nistmöglichkeiten nicht entfernen. Der menschliche Ordnungssinn steht Vögeln im Weg.
 
Die (Vogel)Welt verändert sich
Mit unserer Lebensweise und der entsprechenden Veränderung der tierischen Lebensräume, haben sich auch die Vogelarten geändert, die in Bozen anzutreffen sind. Einige sind verschwunden, weil sie nicht mehr das nötige Habitat vorgefunden haben, dafür sind andere Vogelarten erfolgreich eingewandert. Diese sogenannten Kulturfolger sind beispielsweise Türkentaube, Felsenschwalbe, Wacholderdrossel, Singdrossel und Graureiher.

 
 
Die Papageienkolonien Bozens
In der Bozner Altstadt, rund um Schloss Maretsch, begegnen wir den auffälligen Vögeln mit ihrem knallgrünen Gefieder und auffälligem Krächzen. Sie sind meist in Gruppen unterwegs. Es sind indische Halsbandsittiche (Psittacula, alexandri manillensis), ursprünglich aus einem Käfig entwichen. Ihr Bozner Bestand schwankt um die 30 Tiere, die seit Mitte der 1980er Jahre im Stadtgebiet umherstreifen. Brutnachweise wurden mehrfach erbracht. Im Winter sind sie allerdings auf die Winterfütterung durch Menschen angewiesen. Eine weitere Papageien- Population im Alpenraum war vor Jahren in Innsbruck heimisch geworden, doch scheint sie nach einer Krankheit ausgestorben, somit ist die Papageiengruppe in Bozen die einzig verbliebene im Alpenraum und die nördlichste Italiens.
 
Urban Birding und Birdwaching
Der frühe Vogel fängt den Wurm: Allein am Kalterer See wurden bis zu 200 verschiedene Arten von Nestbauern und Zugvögeln nachgewiesen. Wer besondere Spaziergänge in Bozen und Umgebung gemeinsam mit Vogelkundlern machen möchte, sollte einen Blick in das AVK-Programmheft werfen.Rarität in Bozens Umgebung: Am Völklhof in Lengstein am Ritten befindet sich eines der größten privaten Tiermuseen Europas. Betrieben wird es von Hermann Lang, Tierpräparator in dritter Generation. Der Jäger und „Vogelausstopfer“ ist mit Werkstatt und Museum weitum bekannt. Allein Singvögel finden sich hier über 1.000 Exemplare, denn mit dem Handwerk des Ausstopfens hat bereits sein Vater angefangen, und das Tiermuseum wurde 1910 von Hermanns Großvater gegründet. Sein Wissen über die Pflanzen- und Tierwelt, v.a. über die Vögel, gibt Lang seit über 40 Jahren an angehende Jäger weiter. Gelernt wird nicht aus dem Buch, sondern in und aus der Natur.

Rarität in Bozens Umgebung: Am Völklhof in Lengstein am Ritten befindet sich eines der größten privaten Tiermuseen Europas. Betrieben wird es von Hermann Lang, Tierpräparator in dritter Generation. Der Jäger und „Vogelausstopfer“ ist mit Werkstatt und Museum weitum bekannt. Allein Singvögel finden sich hier über 1.000 Exemplare, denn mit dem Handwerk des Ausstopfens hat bereits sein Vater angefangen, und das Tiermuseum wurde 1910 von Hermanns Großvater gegründet. Sein Wissen über die Pflanzen- und Tierwelt, v.a. über die Vögel, gibt Lang seit über 40 Jahren an angehende Jäger weiter. Gelernt wird nicht aus dem Buch, sondern in und aus der Natur. Besichtigungen nach Anmeldung täglich unter Tel. 0471 349094.


 
Text von Anita Rossi | Bildrechte Manuela Tessaro

Ein Artikel aus dem Bozen Magazine | Frühlingsedition 2020, in dem auch Eppan vertreten ist.
Wollen Sie mehr über Eppans Nachbarsgemeinde und Südtiroler Landeshauptstadt lesen? Dann schauen Sie hier vorbei >>> Bolzano Bozen





 
 
Veröffentlicht am 26.05.2020
 
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