Coole Äpfel

Ein Apfel muss heute frisch, jung und cool sein. In Eppan werden nicht nur neue Sorten gepflanzt, hier sprießen auch innovative Ideen rund um das Südtiroler Vorzeigeprodukt.
 

„Seit zwei Jahren gedeiht hier die neue Sorte Envy, einApfel aus Neuseeland, der es schnell zu großer Beliebtheitgebracht hat“, sagt Georg Kössler. Der Eppaner ist Obmanndes VOG – des Verbands der Südtiroler Obstgenossenschaftenmit 16 Genossenschaften und insgesamt 5.000 Mitgliedern.Hinter der Marke Envy steckt die Sorte Scilate, eine 1985gezüchtete Kreuzung aus Gala und Braeburn. Rot gestreift,mit sehr festem Fruchtfleisch, extra süß, extra knackig undextra beliebt. Envy ist ein weltweites Anbauprojekt: In Südtirolwird der Apfel auf 120 Hektar angepflanzt, besonders gutgedeiht der Envy rund um Eppan.Das Unternehmen VOG verkauft seine Äpfel weit über dieLandesgrenzen hinaus: nach Deutschland, seit jeher einesder Hauptabnehmerländer, aber auch nach England, Skandinavien,Spanien und noch weiter bis nach Südostasien. „Dieheutige Kühltechnik macht es möglich, dass der SüdtirolerApfel auch die längste Reise unbeschadet übersteht“, sagtKössler. Früher war das noch anders.

TRADITION APFEL

In Eppan blickt der Apfelanbau auf eine lange Tradition zurück.Zusätzlich zur Viehwirtschaft wurden Mitte des 19.Jahrhunderts in den Gebieten rund um Bozen auch Äpfel,Wein und Birnen angebaut. Schon damals exportierte manÄpfel nach Russland und Süddeutschland.Auf die Großmärkte in Deutschland und Italien gingen dieersten Äpfel erst dann, als die Teilstrecke der Brennerbahnvon Bozen nach Innsbruck 1867 fertiggestellt wurde. Umdie Jahrhundertwende entstanden neben dem privatenHandel dann die ersten Genossenschaften. „Den richtigenAufschwung der Apfelwirtschaft gab es nach dem ZweitenWeltkrieg“, weiß Kössler. Alles lag in Trümmern, und dieBauern versuchten mit aller Kraft, sich eine neue Existenzaufzubauen. „Der Apfel war eines der Produkte, der diesermöglicht hat.“Von Anfang an war die Apfelwirtschaft im Gebiet rund um Eppan erfolgreich. Begünstigt wurde sie durch dieklimatischen Verhältnisse und die hohe Qualität deralten und neuen Apfelsorten. Heute betreiben dieBauern hier vorwiegend Obst- und Weinbau. DasEppaner Anbaugebiet ist typisch für die SüdtirolerLandwirtschaft, in der kleinstrukturierte Familienbetriebevorherrschen. „Deswegen sind die Bauernbesonders engagiert, sie wollen das Beste aus ihrenFlächen herausholen“, erklärt Kössler.In den Tallagen und auf den Hügeln rund um Eppandominieren alle gängigen Südtiroler Apfelsorten:hauptsächlich Golden Delicious und Gala, gefolgt vonStark und Braeburn. Hier gedeihen aber auch neueClubäpfel wie die knackigen Kanzi, Jazz und Pink Lady.Vor allem die letztere Sorte kommt bei den Kundensehr gut an. Die lila-roten Äpfel mit der gelbgrünenMarmorierung sind wie der Envy knackig, fest,saftig und cool. Regelmäßig finden die Kundenneue Sorten in den Regalen, Clubäpfel werdenimmer beliebter.

 
 
 

KNACKIG, SAFTIG, SÜSS

Hinter einem Apfel, der im Laden appetitlich aufKundschaft wartet, steckt nicht nur harte körperlicheArbeit, sondern auch hoher Zeitaufwand.Innovative Köpfe in der Südtiroler Apfelwirtschaftsuchen weltweit nach neuen Sorten und bringensie nach Südtirol. In Testfeldern mit verschiedenenAnbaubedingungen werden sie erprobt.Die Brüder Braun vom Unternehmen KIKU in Girlan |Eppan tüfteln ebenfalls unentwegt an neuen Sorten.Ihre rubinrot gestreiften KIKU-Äpfel sind knackig,saftig, süß und „sexy“, ergänzt Jürgen Braun. Dawären der ISAAQ, der purpurrote Crimson Snow,der Swing oder der Red Moon – ein Apfel mit rotemFruchtfleisch, den das Unternehmen zu rotemApfelsaft verarbeitet. Die beiden Brüder Jürgenund Thomas Braun sind in den 1990er-Jahren indie Apfelproduktion eingestiegen. Damals hatteVater Luis während einer Reise durch Japan in einerFuji-Anlage den Ast entdeckt, der sein Unternehmenzu dem machen sollte, was es heute ist. Er nahm ihnmit nach Südtirol, testete jahrelang und selektierteunzählige Mutterbäume, bis endlich der KIKU-Apfelgeboren war. Heute werden die neu gezüchtetenSorten in mehr als 100 Baumschulen und Obstanlagenweltweit vermehrt angebaut, unter anderem auch in einigen Betrieben rund um Eppan.Regelmäßig organisieren die Brüder Abende mitjungen Sportlern, die sie sponsern. Freestyler, Slackliner,Motocrosser. Coole Typen, mit denen siedie Marke festigen, ihre neuen Sorten bekannter machen und vor allem eines wollen: das Apfelessencooler machen. In Girlan | Eppan steht ihr zwei Hektar großesTestfeld. Insgesamt 100 neue Sorten wachsenhier. Nur wenige schaffen es in die engere Auswahl.Nur wenn sie knackig und saftig sind, eineBalance von Zucker und Säure besitzen und dieBäume gute Erträge liefern, kommen sie in dieengere Auswahl. Einen Testmarathon hatten auchdie Erfinder des „Hoila Cider“ hinter sich, bis dererste Apfelschaumwein aus Südtirol endlich in dieSektflöte perlen durfte.

COOLER DENN JE

Hoila kommt ganz ohne Aroma- und Farbstoffe,Konservierungsmittel oder Zucker aus, nur mit demSaft von Braeburn, Granny Smith, Fuji und GoldenDelicious. „Jede Flasche enthält den Saft von SüdtirolerÄpfeln und sonst nichts“, sagt MaximilianAlber. Der Eppaner stand schon als Kind in engemKontakt mit der Apfelwirtschaft. Von seiner Herkunftgeprägt, entwickelte er zusammen mit Freundenden Hoila Cider. 2015 und 2016 wurde der Ciderbeim „Pomme d’Or“ in Frankfurt in der Kategorie„Apfelschaumweine, Apfelsekte, Cider aus Äpfeln“zum Sieger gekürt. Heute verkauft sich Hoila weitüber Südtirol hinaus.Der Auslandsmarkt spielt eine immer wichtigereRolle. Auch für den VOG. Südtirol produziertjährlich über eine Million Tonnen Äpfel mehr, alshier verzehrt werden könnten. Und so treten dieSüdtiroler Äpfel Jahr für Jahr weite Reisen an. DieKunden freuts. Der Südtiroler Apfel ist beliebter und cooler denn je.

Text: Petra Schwienbacher

 
 
Veröffentlicht am 26.09.2017
 
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