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Der etwas andere Krampus in Girlan | Eppan

Gruslige Masken aus Holz, ein dickes Fell und ganz viel Lärm. So kennt man die Krampusse, die jedes Jahr am 5. Dezember im ganzen Land die bösen Kinder bestrafen. In Girlan sehen diese Krampusse zwar genau so aus, die „Wild Monn Tuifl” verfolgen jedoch ein etwas anderes Ziel.
 

Lautes Geschrei, klirrende Ketten, Glocken-Lärm und schlagende Ruten. Wenn die Krampusse in Girlan unterwegs sind, wird es düster. Rot leuchtender Nebel und Rauch von brennenden Fackeln ziehen dann zusammen mit den pelzigen Gestalten durch die Gassen im Dorf. Doch in einem Punkt unterscheiden sich die Girlaner Krampusse der ”Wild Monn Tuifl“ von denen im restlichen Land: Hier findet ein kinderfreundlicher Krampus-Umzug statt. Den haben 13 Männer aus Girlan und Umgebung vor mittlerweile fünf Jahren ins Leben gerufen. Mit dem Verein ”Wild Monn Tuifl“ wollten sie dafür sorgen, dass das alte Brauchtum der Krampus-Umzüge nicht in Vergessenheit gerät. Der Obmann des Vereins, Gerd Ossanna, ist im normalen Leben Bodenleger. Er pocht vor Leidenschaft für die Tradition des Krampus, die ihn jedes Jahr aufs Neue in Kindheitstage zurück katapultiert.

Gerd, wie seid ihr dazu gekommen den Verein ”Wild Monn Tuifl“ zu gründen?
Bereits als Kinder haben wir Girlaner in Krampus-Kostümen Umzüge gemacht. Dieser Brauch hat sich durch den Nikolaus, der immer am 6. Dezember seine roten Säckchen ausgeteilt hat, über die Jahre hinweg jedoch etwas verloren. Präsent war am Ende nur noch der gute Nikolaus und der böse Krampus wurde ganz vergessen. Nicht nur hier bei uns war das so, sondern auch in anderen Dörfern, die bekannt für ihre Krampusse sind. So zum Beispiel in Kastelruth oder im Unterland. Vielerorts wurde der Brauch auch verboten, weil man es zu bunt getrieben hat und die Umzüge zu brutal wurden. Ein paar Freunde und ich haben das schade gefunden und wollten die Tradition wieder aufleben lassen. Daraufhin hatten wir vor fünf Jahren die Idee zusammen mit dem Nikolaus eine neue Gruppe zu gründen.

Als erstes habt ihr euch dann vermutlich eine traditionelle Krampus-Maske schnitzen lassen?
Genau. Der Traminer Holzschnitzer Walter Maffei ist unser Larvenschnitzer. Jede Maske, die wir im Verein haben, stammt von ihm. Wichtig ist uns auch hier wieder die Tradition. Wir wollten keine Fratzen und keine Monster, sondern originale Krampuslarven - normale, etwas grusliger gestaltete Gesichter mit Hörnern.

Der originale Krampus ist ein Adventsbrauchtum, das nicht nur hier bei uns in Südtirol, sondern auch in anderen Teilen Norditaliens, sowie in Bayern, Österreich, Ungarn, Slowenien, der Slowakei, in Liechtenstein und in Kroatien zu finden ist. Der Krampus ist dabei immer der, der die bösen Kinder bestraft, während die guten Kinder vom Nikolaus beschenkt werden.

Woraus besteht so eine Maske denn?
Aus Zirbenholz.

Damit der Krampus ruhig bleibt oder wie?
Nein. (lacht) Zirbenholz ist weich und leicht zum Schnitzen. Wenn man die Maske danach aufsetzt, fühlt sich das an, als wäre man in einem Sturzhelm, so perfekt sitzt die.

Und was kostet so eine Maske?
Zwischen 700 und 800 Euro. Aber das ist noch nicht alles. Außerdem gehört noch ein Fell zu einem vollkommenen Krampus-Outfit. Unsere Gamsbock-Felle kommen vom letzten Gerber Südtirols, der in Aldein sitzt. So ein Fell kostet nochmal 500 bis 600 Euro. Dann kommen noch die Schellen (Glocken), Handschuhe und oft auch hochgelegte Schuhe dazu, damit man größer wirkt. Ich muss zugeben, ein Krampus zu sein, ist schon was für Liebhaber und mit der Zeit wird man ein bisschen verrückt. Viele fahren sogar nach Österreich, wo es einen eigenen Krampus-Shop gibt.

 
 
 

Wer die Girlaner Krampusse selbst sehen will, sollte immer am ersten Sonntag im Dezember (in diesem Jahr der 6. Dezember) nach Girlan kommen, wo der Umzug um fünf Uhr Nachmittags beginnt. In diesem Jahr wird es zum fünfjährigen Jubiläum mit der Einscheller Gruppe aus dem Ultental ein Highlight geben. Sie werden den Umzug mit lautem Glocken-Lärm anführen.
Und am 5. Dezember laufen die Krampusse außerdem durch St. Michael und St. Pauls, um ihre Kostüme zu präsentieren.

Was will man mit dem Krampus denn bezwecken?
Eigentlich ist der Krampus der Teufel und somit der Assistent vom Nikolaus. Er bestraft die bösen Kinder.

Macht ihr das auch?
Nein. Unser Hauptanliegen ist es, das Brauchtum zu fördern, damit es nicht in Vergessenheit gerät.
Was uns von anderen unterscheidet, ist, dass wir kinderfreundlich sind. Respekt haben die Kinder bei uns schon trotzdem, aber keine Angst. Bei unserem Umzug wird niemand geschlagen.

Das Wort Krampus kommt vom mittelhochdeutschen ”Krampen“, was so viel wie Kralle heißt. Auch vom bairischen ”Krampn“ könnte es abgeleitet werden, was etwas Lebloses oder Verdorrtes bezeichnet.

Und wie läuft der Tag des Umzugs ab?
Da treffen wir uns bereits um acht Uhr morgens und füllen gemeinsam alle Nikolaus-Säckchen. Dann bereiten wir die Theken bei der Graifenburg und auf dem Dorfplatz in Girlan vor. Dort wird Abends dann etwas zum Trinken für die Besucher ausgeschenkt.
Gegen Nachmittag werden die Krampusse bereits nervös und fangen an, sich anzukleiden und mit Glocken, Ruten, speziellen Schuhen und etwas Schminke zu schmücken. Um 17 Uhr startet dann der Umzug. Das ist der Wahnsinn, wenn das Dorf sich mit ein paar tausend Leuten füllt. Die Zuschauer kommen mittlerweile von nah und fern, um uns zu sehen.

Wie läuft der Umzug ab?
Wir starten von der Kellerei Girlan und ziehen einmal durchs ganze Dorf. Natürlich sind wir dabei ganz schön laut. Die Krampusse sind mit dem Nikolaus zusammen unterwegs. Außerdem haben wir noch zwei Wagen, auf denen einmal die Kinder sitzen und einmal eine Krampus-Atrappe, die auf einem großen Schleifstein seine Gabel schleift.

Gibt es auch kleine Krampusse, die mitlaufen?
Ja, mittlerweile gibt es neben den 22 erwachsenen Mitgliedern auch elf Kinder-Krampusse. Der kleinste ist mein Sohn mit fünf Jahren.

Und wenn ihr nicht gerade Hauptsaison habt, was macht ihr dann?
Ob zur Dorfsäuberung, zum Frühschoppen am Herz Jesu Sonntag oder zum Teufelsstand beim Martini Markt, wir sind vielerorts vertreten. Beim Langen Mittwoch in den Sommermonaten führen wir auch immer unsere Masken vor und unser Holzschnitzer schnitzt dort live.
Im November startet dann die Hauptsaison. Dann steht nicht nur unser Umzug an, sondern auch verschiedene andere Krampus-Läufe, bei denen wir mitlaufen. Bei solchen Veranstaltungen sind 600 bis 700 Krampusse unterwegs. In diesem Jahr findet man uns in Pozza di Fassa und in Kastelruth. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie sich der Brauch von Ort zu Ort unterscheidet.

Warum nennt ihr euch eigentlich ”Wild Monn Tuifl“?
Wer sich hier in der Gegend auskennt, kennt vielleicht den mystischen Ort ”Wilder Mann Bühel“ in Montiggl. Dort, wo ein Einsiedler seine letzten Tage verbracht hat. Irgendwie hat uns dieser Ort in unserer Namenssuche inspiriert.

© Fotos: Wild Monn Tuifl

 
 
Veröffentlicht am 20.11.2015
 
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