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Der Hof des Wandels

Zwischen Apfelwiesen und Weinreben, Gemüsebeeten und Kräutergarten liegt er, der Hof des Wandels in St. Pauls | Eppan.
 
Ursprünglich lebten die Bewohner des Hofs oberhalb der Paulsner Straße vom Apfelanbau, wie viele andere Landwirte im Überetsch. Doch Hanspeter Kager war nie ein Apfelbauer mit Leib und Seele, sondern ein Macher und Visionär – mit der dazu passenden Familie. Vor rund sechs Jahren fiel dem Paulsner, der den Hof von seinen Eltern übernommen hatte, ein Buch über das Destillieren in die Hände und er begann, einige Bäume zu roden, um an deren Stelle Kräuter zu pflanzen.
Sehr zur Verwunderung seiner Frau Martina, die sich immer schon für Kräuter und ihre Wirkung interessiert hatte – im Gegensatz zu Hanspeter. Dann kaufte sich der Obstbauer die erste kleine Destille. Und eines Tages gelang es ihm, aus einer Lavendelpflanze das erste kleine Fläschchen mit Hydrolat und ätherischem Öl zu gewinnen. „Wie Rumpelstilzchen hüpfte er vor Freude im Garten herum“, erinnert sich Tochter Lisa schmunzelnd.

Aus Monokultur mach Vielfalt
Es traf sich gut, dass sie zu der Zeit gerade vom Studium in München zurückkam und ihren Freund Jakob Haller kennengelernt hatte. Dieser war als Koch international tätig gewesen u.a. im weltbekannten Restaurant „Noma“ in Kopenhagen. Beide waren in ihrem Leben an einen Punkt gekommen, an dem sie neue Wege einschlagen wollten und hatten angefangen, sich für Permakultur zu interessieren. Die Natur nachahmen in ihrer Artenvielfalt, um stabile Systeme und funktionierende Kreisläufe zu schaffen, lautet die Devise. „Monokultur bedeutet, den Boden auszulaugen und macht ihn auf lange Sicht unbrauchbar. Für uns hingegen ist der Boden der wichtigste Partner. Wir wollen in den nächsten Jahren alles daran setzen, hier Humus und Mikroben aufzubauen. Nur so kann Landwirtschaft regenerativ sein“, erklärt Lisa. Daraus entstand schnell eine Vision für die ganze Familie. Die nächsten Bäume wurden gemeinsam gerodet, um Platz für eine vielfältige Zukunft zu schaffen.

Ideen und Pflanzen sprießen
Der Kräutergarten wuchs immer weiter den Hang hinauf und ist heute ein farbenprächtiges Duftparadies. Hanspeter Kager zeigt ihn gern bei Führungen und weiht Interessierte auch in die Kunst des Kräuterdestillierens oder Seifenmachens ein. Lisa und Jakob indes kümmern sich um das Obst und Gemüse, vom Samen bis zum fertigen Produkt wird alles am Hof produziert. D.h. es wird destilliert, getrocknet, eingelegt und fermentiert. Am Hof erhältlich sind etwa eingelegte Oliven, Chillipaste oder fermentierte Yacon, eine Wurzel aus den Anden. Von jeder klassischen Gemüsesorte, die aus dem Supermarkt oder vom Bauernmarkt bekannt sind, gebe es schließlich unzählige weitere Arten, die durch die Selektion großer Konzerne mit den Jahren verloren gegangen sind. „Auch die wachsen in Südtirol ausgezeichnet“, erklärt Lisa, die gleich wie Mutter Martina am Hof Yogastunden gibt. Letztere zeichnet verantwortlich für viele Ideen, die gemeinsam über die Jahre umgesetzt wurden. Wie jene vom Hofladen, in dem nun die Kräuterprodukte und auch alles, was sonst hier wächst und verarbeitet wird, zum Verkauf an die Besucher bereitsteht. Auch ein wöchentliches Gemüse-Kistl für Jahresabonnenten gehört zum geplanten Angebot der „wandelbaren“ Landwirte.

Neue Form der Landwirtschaft als Lebensphilosophie
Sie sind auch weiterhin auf der Suche nach dem, was am besten wächst und sich ins Gesamtgefüge einfügt, Permakultur ist mit viel Planung verbunden. Die Produkte vom Hof des Wandels sind zudem allesamt unbehandelt. Dass diese Lebensmittel dann einen besonderen Wert haben, ist Lisa besonders wichtig: „Wir möchten, dass die Menschen wieder einen Bezug aufbauen zu Nahrungsmitteln. Dass sie den Unterschied begreifen zwischen Obst und Gemüse, das im Supermarkt erhältlich ist und jenem, das nicht industriell produziert wurde.“ Diese Produktionsweise bringt zwar einen höheren Arbeitsaufwand für den Landwirt mit sich, aber eben auch Erträge und bessere Qualität, so die junge Mutter. Und sie hinterlasse durch eine gute Kompostwirtschaft am Ende außerdem noch einen fruchtbaren Boden.

Samen säen für eine bessere Zukunft
„Wir möchten zeigen, dass es geht, wirtschaftlich und naturnah zu arbeiten – langfristig gesehen“, erläutert die Landwirtin. „Es ist kein Zuckerschlecken, sondern ein Weg. Wir stecken jede freie Minute in den Hof “, gibt sie zu. Sie wünscht sich dennoch, dass immer mehr Bauern sich diesem Beispiel anschließen, wieder mit mehr Interesse an die Landwirtschaft herangehen, hinterfragen, neu lernen, verstehen und dadurch wieder mehr Leidenschaft entwickeln, auch wenn es hart verdiente Erfolge sind. Mit Blick auf ihren neun Monate alten Sohn Kiran sagt sie: „Landwirtschaft muss enkeltauglich sein. Ich will meinem Sohn gesunde und stabile Böden hinterlassen, auf denen auch er, seine Kinder und seine Enkel noch ihr Essen produzieren können. Und ich will als Vorbild vorangehen. Jeder kann etwas in dieser Welt verändern, wenn er wirklich will.“
 

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Veröffentlicht am 11.04.2020
 
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