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Der wilde Mann

Wer mit dem Fahrrad zum Wilder-Mann-Bühel in Montiggl radelt, fährt einem Stück Geschichte entgegen. Am Kraftort über den Montiggler Seen versteht man erst, warum der Girlaner Goldjäger Peter Wöth hier seine letzten Tage verbrachte.
 
Es ist ein wolkenloser Sommertag in Eppan. Im Schutz des Montiggler Waldes wechseln sich steile Aufstiege und Abfahrten ab. Am Großen und am Kleinen Montiggler See vorbei geht es auf weichem Waldboden, der Markierung Nr.1 folgend, dem Ziel meiner heutigen Biketour entgegen: dem Wilder-Mann-Bühel.
Der Kraftort knapp über den beiden Seen ist ein echter Geheimtipp, wenn es ums Wandern und Radeln im Landschaftsschutzgebiet Montiggler Seen | Wald geht. Auf knapp 650 Metern Meereshöhe wird man nicht nur mit einem unvergesslichen Panorama belohnt, sondern begegnet auch einem interessanten Stück Vergangenheit.

Der Wilder-Mann-Bühel verdankt seinen Namen der außergewöhnlichen Geschichte von Peter Wöth, der hier als wilder Mann, fernab der Zivilisation, nach seinen Abenteuern in Amerika seinen Lebensabend verbrachte. Aber fangen wir vorne an: Wir schreiben das Jahr 1852. Seit nunmehr über fünf Monaten ist ein Schiff samt Mannschaft auf dem Weg von Bremerhaven über Kap Hoorn in Richtung San Francisco unterwegs. Mit an Bord sind auch Joseph Steinberger, Hansjörg Baumgartner, Anton Hauser und Peter Wöth, vier Abenteurer, die in Amerika ihr Glück als Goldgräber versuchen wollen. Als sich Peter Wöth den Goldjägern anschließt, hat er bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich.
Geboren im Jahr 1824, wächst der junge Wöth dort auf, wo heute die Weinkellerei Josef Niedermayr steht – in der Jesuheimstraße in Girlan | Eppan. Als junger Mann fällt er vor allem als Raufbold auf und schließt sich einer Gruppe von politischen Aktivisten an – er träumt von Gütergemeinschaften und einer klassenlosen Gesellschaft nach dem Vorbild kommunistischer Siedlungen in Amerika. Der örtliche Pfarrer sieht im wachen und kritischen Kopf einen gefährlichen Revolutionär, von der Polizei wird er beobachtet und verhört. Der Pfarrer versucht ihn zu bekehren, aber Wöth lässt sich von seinem Plan nicht abhalten. Er verkauft Haus und Hof der Eltern an seinen Onkel und bricht nach Amerika auf.
 
 
 
Nach über sechs Monaten kommt er am Ziel in San Francisco an. Dann aber verliert sich seine Spur. Wöth taucht erst 1868 nach seiner Rückkehr aus Amerika wieder in Girlan auf. In diesem Jahr kauft er sich ein Stück Land im Girlaner Ortsteil Lamm. Dort baut er sich eine Trapperhütte nach amerikanischem Vorbild und frönt einem Leben als Einsiedler, inmitten der Natur und in völliger Abgeschiedenheit.
Für die Einwohner des Dorfes gilt er als Sonderling. Auch die dunklen Jahre in Amerika sorgen bis zum heutigen Tage für Gesprächsstoff in Girlan. Man munkelt, er habe mit Indianern gelebt und sei mit viel Gold zurückgekehrt, das er im Montiggler Wald vergraben habe. Wieder andere meinen zu wissen, er habe dort, hoch oben auf dem Wilder-Mann-Bühel, bis an sein Lebensende vergeblich nach Gold gesucht.

Vom Bühel hoch über den Montiggler Seen weitet sich der Blick über das Grün der Reben unter dem Mendelkamm bis hinunter nach Bozen. Wer hier steht, kann verstehen, warum Wöth nach seinen wilden Jahren in Amerika genau hier die Ruhe suchte. Steinmännchen speichern die Sonnenwärme des Tages, um sie am Abend wieder abzugeben. Nur das Vogelgezwitscher durchbricht die Stille. Wöth wurde 71 Jahre alt. Auf einem der Steine hat
er sich mit seinen Initialen und seinem Geburtsjahr (”P.W. 1824“) verewigt – dort, wo er sich seine letzte Ruhestätte wünschte. Sein Wunsch ging nicht in Erfüllung. Begraben liegt er auf dem Friedhof von St. Pauls | Eppan.
 
 
Veröffentlicht am 25.10.2016
 
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