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Dorf Gesichter | Franz Kofler von der Sektlaube in St. Pauls

Wo Wein und Kultur sich verbinden, serviert ein facettenreicher Künstler Speis, Trank und manchmal auch Tonskulpturen.
 
Franz Kofler steht in der Küche der Wein- und Sektlaube Kössler im Dorfzentrum von St. Pauls. Einen Zahnstocher nach dem anderen steckt er in die frisch belegten Brötchen und sieht dabei so aus als würde er Pinselstriche auf einer Leinwand ziehen. Hier, im hinteren Teil des Lokals, findet er nicht nur ab und an einen ruhigen Ort zum Durchatmen, sondern auch genügend Platz zum Vorbereiten seiner kalten Snacks. Die Wein- und Sektlaube Kössler ist nämlich nicht nur der ideale Ort zum Verkosten von hervorragenden, regionalen Tropfen, sondern auch noch Café und Bistro. „Vielfalt ist eben gefragt“, sagt Franz und lächelt. Keiner könnte das besser wissen als er. Schließlich hat Franz Kofler bereits knapp 50 Jahre Erfahrung in der Gastronomie. Voraussetzung für einen guten Gastronom sei seiner Meinung nach, dass man den Kontakt mit den Menschen mag. Außerdem müsse man immer ruhig bleiben. „In der Ruhe liegt die Kraft“, sagt er ganz philosophisch und steckt einen weiteren Zahnstocher in die Brötchen.

Vor acht Jahren hat Franz Kofler gemeinsam mit seiner Tochter die Wein- und Sektlaube übernommen. Seither ist diese Treffpunkt für Jedermann im Dorf. „Von Mamas mit kleinen Kindern, über Stammtischen vom Chor, Lehrern und Arbeitern bis hin zu Gästen treffen sich hier alle“, erzählt Franz. Im Sommer nehmen die Gäste am liebsten draußen Platz. Palmen und blühende Oleander bringen dann nämlich das mediterrane Feeling auf den Dorfplatz von St. Pauls. Vom Garten der Sektlaube aus kann man direkt auf den 86 Meter hohen Kirchturm mit Zwiebelkuppel blicken und dabei einheimischen Wein genießen. Von Franz serviert, versteht sich. „An St. Pauls mag ich vor allem die Baulichkeiten. Die wunderschönen Häuser im typischen Überetscher Stil, der in der Renaissance, aus dem Süden gekommen ist“, erzählt er. Die Grenze, an der Kunst und Kultur sich vermischt haben, fasziniert ihn seit jeher.
 
 
 
Auch an diesem Donnerstag tummeln sich um die Bar herum allerhand verschiedene Gäste, während im Speisesaal eine Gesellschaft Franz' belegte Brötchen verspeist. Verpflegung ist jedoch längst nicht alles, was die Wein- und Sektlaube zu bieten hat. Bereits im Barbereich fallen einem die Kunstwerke auf, die nicht nur die weißen Wände, sondern auch die Fensterbänke zieren. Skulpturen aus Ton und Bilder von Stillleben, Pflanzen und Tieren. „Das hier ist die emanzipierte Frau“, sagt Franz und greift eine Tonfigur von einer Fensterbank hinter zwei älteren Damen, die gerade an ihrem Macchiato schlürfen. „Die Frau ist in dieser Skulptur die Starke und der Mann die Schlange. Sie versucht ihm den Kopf abzureisen, er umschlingt sie“, erklärt Franz.

Bereits seit Jahren ist er der Kunst verfallen. Neben seiner Vorliebe fürs Antiquitäten-Sammeln malt er auch selbst Bilder und formt Tonskulpturen. Gelernt hat er dies bei verschiedenen Kursen, bei denen er sich in den freien Wintersaisonen fortgebildet hat. „Hier in der Sektlaube will ich das alles zusammenführen. Wein und Kultur verbinden“, erklärt er. Schließlich sei Südtirol seit Jahrhunderten bereits ein gewachsenes Wein,- und Kulturland und das müsse man irgendwo auch vermitteln. „Was passt also besser zusammen als Wein und Kunst?“, fragt Franz. Sowohl das Eine als auch das Andere habe es in der Geschichte gebraucht. Der Wein habe Kunst und Kultur gefördert und umgekehrt.
Als der Künstler sein Werk wieder auf der Fensterbank abstellt, wirft eine der Damen schnell ein: „Der Franz ist einfach nett, alle gehen wir gerne zum Franz.“ Vom Barbereich führt der Chef weiter ans Ende des angrenzenden Speisesaals, zu seinem persönlichen Meisterwerk. In einem dunklen Rahmen hängt das dreiteilige Gemälde da. „Das ist mein Triptychon“, sagt er stolz und deutet auf das Bild. „Hier habe ich den Abgang von Schloss Korb, den Neuanfang in der Sektlaube und den Turm von St. Pauls mit all den guten Geistern gezeichnet, die zu mir in die Sektlaube kommen“, erklärt der Künstler. Am liebsten malt er in der ursprünglichen Öl-Technik. Eine Lasur wird dabei über die andere gepinselt, bis der gewünschte Lichteffekt entsteht. Jedem Gast, der nach einer kleinen Führung fragt, erklärt Franz das gerne auch selbst.
Über eine Wendeltreppe geht es schließlich in den Keller der Wein- und Sektlaube. Bei verschiedenen Verkostungen gibt Franz den Gästen hier sein Wissen über Südtiroler Wein weiter. „Ich will den Menschen nicht zu viel über die Weintechnik erzählen, sondern mehr von meiner Heimat und auch von meinen eigenen Erfahrungen als Weinbauer“, sagt er. Wenn der Barbesitzer nicht im Lokal steht, bearbeitet er sein Weingut in Missian. „Mein kleiner Hang in Süd-West Lage ist steil und daher nur per Hand bearbeitbar“, erklärt Franz. „Salamander“ nennt sich sein Cabernet. Den Namen habe er gewählt, weil sein Wein, sowie der echte Salamander auch, nur von dort herkommt, wo die Umwelt intakt ist. Außerdem seien beide dunkel, geschmeidig, fein und ruhig. Das Weingut Kössler gibt es schon etwas länger als das von Franz. In etwa seit Anfang 1900. Bis vor 20 Jahren war es ein Privatbetrieb, heute ist es in die Vinzergenossenschaft von St. Pauls inkorporiert. „Die Tochtergesellschaft Kössler hat seine Weingüter rund um das Dorf. Der Wein, der dort gewonnen wird, kann direkt bei uns verkostet werden“, erklärt Franz. Meistens führt er seine Gäste dann auch noch in den nahegelegenen Bunker, in dem der Praeclarus Sekt lagert. „Dieser besteht aus ausgesuchten Chardonnay Trauben. Ein Top Sekt, der nach der Champagner-Methode hergestellt wurde. Das bedeutet vier Jahre Flaschengährung“, erklärt Franz ganz begeistert. Neben dem nötigen Sektwissen ist es ihm auch wichtig während seinen Verkostungen, Südtiroler Zeitgeschichte zu vermitteln.
Außerdem entstehen hier unten im Keller auch noch die schönen Figuren, die die Fensterbänke im oberen Geschoss zieren. Jedes Jahr im Winter bietet Franz hier nämlich Kurse zum Thema Malerei, Bildhauerei und Tonarbeit an. Auch in diesen Tagen findet ein solcher statt. Der Chef persönlich arbeitet gerade an einer Weinkaraffe, ähnlich der im antiken Griechenland. Ob er mit dieser künftig Wein in der Sektlaube servieren wird, weiß er noch nicht genau.

 
 
Veröffentlicht am 01.02.2017
 
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