Im Eselschritt nach Südtirol

 
„Wenn ich mal erwachsen bin, dann kauf ich mir selbst einen Esel“, meint Benedikt, 5 Jahre. Gemeinsam mit seinen Eltern Jörg und Christine, 50 Kilogramm Gepäck und zwei Eseln ist er die weite Strecke von seiner Heimat Hilpoltstein, 30 Kilometer südlich von Nürnberg, bis nach St. Pauls gelaufen – bis zu sieben Stunden am Tag, ohne zu meckern. Nach 40 Etappen sind die Wanderer nun im Überetsch eingetroffen und genießen den wohlverdienten Urlaub.

Wie kommt man auf die Idee, sich zwei Esel zu kaufen und damit nach Südtirol zu wandern?
Christine: (grinst) Wir wollten gemeinsam einen längeren Urlaub verbringen, bevor Benedikt nächstes Jahr in die Schule geht.
Benedikt: Und ich wollte laufen. Eigentlich zuerst nach Kroatien, aber das war dann zu weit. Also sind wir hierher nach Südtirol.
Jörg: Das stimmt. Und weil wir an die 50 Kilogramm Gepäck hatten, sind eben die Esel ins Spiel gekommen und wir haben uns unweit von unserem Heimatort nach welchen umgesehen.
Fündig wurden die Deppners in einem Stall, der Tagestouren auf Eseln anbietet. Mitsos und Lenz sind zwei von den 27 Tieren, die dort leben. Die beiden Esel haben der Familie an die 2.000 Euro gekostet.

Hat sich die Investition gelohnt oder sind Esel wirklich so stur, wie es immer von ihnen behauptet wird?
Jörg: Die Esel sind von ihrer Art her super umgängliche Tiere. Wenn sie außerhalb ihres gewohnten Terrains sind, vertrauen sie einem total und laufen einem immer hinterher. Die Investition hat sich also auf alle Fälle gelohnt.
Benedikt: Die sind faul, find ich!

40 Tage lang wart ihr mit den Tieren unterwegs, um von Nürnberg nach St. Pauls zu wandern. Braucht das nicht etwas Übung?

Jörg: Klar. Wir haben vier Monate lang geübt, bevor wir aufgebrochen sind.
Christine: Wir mussten erst lernen wie sich solche Esel bewegen, wie man sie führen muss und wann man merkt, dass was nicht stimmt. Außerdem müssen ja auch die Hufe gepflegt werden und das Futter muss stimmen.

Habt ihr das Futter für die Esel auch mitgeschleppt?
Jörg: Nein. Wir haben am Ende jeder Etappe spontan geschaut, dass die Esel irgendwo unterkommen können, wo auch andere Tiere sind und dass sie dort genügend Heu zum Fressen kriegen. Es war verblüffend, wie viele Menschen uns freundlich aufgenommen haben.
Christine: Wir haben dann mit dem Zelt neben den Tieren geschlafen, richtig abenteuerlich! Schwierig wurde diese Art des Unterkommens erst nach der Südtiroler Grenze, weil es hier nicht mehr so viele Ställe gibt.
Am liebsten fressen Esel Heu und trockenes Gras, ursprünglich kommen die Tiere nämlich aus der Wüste. Mit Familie Deppner mussten Mitsos und Lenz jedoch auch über die Berge laufen.

Wie viele Kilometer habt ihr denn am Tag gemacht?
Jörg: So zwischen 15 und 20.
Christine: Wir hatten immer sechs Gehtage und einen Stehtag. Und im Durchschnitt waren wir mit drei Kilometern die Stunde unterwegs. Drei der Etappen waren ziemlich steil und haben auch in die Berge geführt.
Benedikt: Oft mussten wir auch umkehren oder die Esel absatteln, weil sie zu breit für unseren Weg waren.

Die Alpen habt ihr aber nicht überquert oder?
Christine: Nein. Einer unserer Esel, Mitsos, hatte null Talent in den Bergen.
Benedikt: Der ist sogar in den Bach gefallen und wir mussten ihn wieder rausziehen! (lacht)

Ihr habt an die 700 Kilometer zurückgelegt. Welche war denn die schönste Etappe?
Christine: Wenn man mal an 20.000 Maisfeldern und 150.000 Biogasanlagen vorbeigelaufen ist, freut man sich über jedes schöne Weglein im Wald. Insgesamt ist es aber super spannend die Entwicklung der Landschaft im Laufe der Strecke zu beobachten. Und wenn man erstmal in Südtirol angekommen ist, freut man sich auch über die vielen Wirtshäuser in jedem noch so kleinen Dorf. Die gibt es bei uns in Deutschland leider nicht mehr. Das fällt einem dann erst auf, wenn man zu Fuß unterwegs ist.

Vor einigen Tagen seid ihr in St. Pauls angekommen. Das Dorf ist euch nicht unbekannt. Bereits seit 25 Jahren macht ihr hier Urlaub.
Christine: Genau. Und wenn wir längere Zeit nicht da sind, fehlt uns was.

Was gefällt euch denn hier so besonders gut?

Christine: Ich finde das ist ein ganz bestimmtes Lebensgefühl, das die Paulsner haben. Hier ist alles noch etwas entspannter. Man trifft sich ab und zu im Dorf und trinkt einen Kaffee oder ein Glas Wein miteinander und dann läuft der Alltag wieder weiter.
Benedikt: Mir gefällt, dass es hier so viele schöne Spielplätze gibt.

Nach einigen Tagen Erholungsurlaub für die Esel beim „Fischer Heindl“ in St. Pauls hat Jörg die Tiere mit einem Hänger wieder nach Nürnberg gebracht und ist mit den Rädern der Familie zurückgekehrt. Während sie sonst viel zu Fuß unterwegs sind, nutzen die Deppners das Ende dieses Urlaubs in diesem Jahr lieber auf zwei Rädern.

Sind denn weitere Eselwanderungen geplant?
Jörg und Christine: Nein, im Moment nicht. (lachen)
Jörg: Das wird wahrscheinlich ein einmaliges Erlebnis.

Die Esel werden also verkauft?
Jörg: Ja, wahrscheinlich.
Christine: Das wissen wir noch nicht so genau. (grinst) Man baut einfach eine zu enge Bindung auf mit den Tieren. Bei deren Abreise musste ich sogar eine Träne verdrücken.
 
 
 

 
 
Veröffentlicht am 12.10.2018
 
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