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Rund um Schloss Moos Schulthaus (Teil 3)

Der Wohnturm von Schloss Moos - Letztes authentisches Zeugnis mittelalterlicher Wohnkultur.
 
Das Ensemble um Schloss Moos bildet den Weiler Schulthaus, dazu gehören neben dem Jagdschloss auch die Katharinenkapelle, das Wirtschafts- gebäude, ein Pächterhaus, ein Baumannhaus, heute zwei Wohnhäuser, das so genannte Engelhoferhaus aus dem 13. Jahrhundert, aber auch Scheunen, Ställe, Stadel, die Ansetz/ Gärkeller und die Torggl.
 
Bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaute das Geschlecht der Rottenburger oberhalb des Eppaner Ortsteils Pigenó einen Wohnturm. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Turm zum gotischen Jagdschloss erweitert und ausgebaut. Nach dem Aussterben der Herren von Rottenburg im Jahre 1410 gelangte das Ensemble zunächst an die Landesfürsten und als vererbbares Lehen an einen Zweig der Herren von Firmian, der sich von da an auch nach Moos nannte und sein Wappen an den erworbenen Besitz anpasste. Zum Eigentum des Familienzweiges gehörte zudem der neben Englar gelegene Turm Alt-Firmian. Zum letzten Mal erschienen die Firmian von Moos im Jahre 1471 auf dem offenen Landtag in Innsbruck, dann erlischt der Zweig im Mannesstamm.
 
Durch die Erbtochter Christina kam der Besitz im Jahre 1490 an die Freiherren Spaur, die sich ebenfalls nach Moos nannten und den Jagdsitz weiter ausbauten. Als weitere Herren von Moos folgten die Gerstl von Gerstburg, später die Herren von Tann und schließlich um 1600 die damals sehr vermögenden Lanser, die später das Prädikat von Moos und Festenstein erhielten und die ganze sieben Mal durch Adelserhebungen und Wappenbesserung ihren Stand festigen konnten.
 
Der aufwändige und verschwenderische Lebensstil der Lanser führte zum Spruch er lebt wie ein Lanser auf Moos im Überetsch. Die Erbtochter Maria Salome von Lanser brachte im Jahre 1653 die mit 50.000 Gulden bewertete Grundherrschaft Moos in das Eigentum der Herren von Schulthaus aus Lavis, die ebenso das Prädikat von Moos annahme  und den Besitz anschließend noch zwei Jahrhunderte innehatten, bis er im Jahre 1850 in bäuerliche Hände überging.
 
Dieser rege Besitzerwechsel und die damit einhergehenden baulichen Maßnahmen bewirken ein besonderes Zusammenspiel miteinander verbundener Bauteile, verschachtelter und auf unterschiedlichen Niveaus liegender Räumlichkeiten und nicht zuletzt der Stilmerkmale verschiedener Epochen.
 
 
Fotos: Gotische Rauchküche (oben), Ehemaliger Gärkeller/Ansetz heute Sammlung Walther Amonn (unten 1), Kemenate mit Rankenwerk, Wandnische mit illusionistischen aufgemalten Verschlussdeckel (unten 2), So genannte Gesindestube mit Renaissancekachelofen (unten 3). 
 
 
 
Diesen Beitrag verfasste der Agronom Dr. Carl Philipp Baron von Hohenbühel, ansässig in Eppan, studierte an der Hochschule für Bodenkultur in Wien; Präsident des Südtiroler Burgeninstituts; publiziert in Fachzeitschriften. Artikel erschienen in der Zeitschrift SÜDTIROL in Wort und Bild 4. Quartal 2014 / 58. Jahrgang.

www.burgeninstitut.com
Minne, Jagd und Fruchtbarkeit Mittelalterliche Bilderwelten
 
Die spätmittelalterlichen Wand- malereien, die erst ab 1960, nach ersten Restaurierungs- und Sicherungs- maßnahmen entdeckt wurden, sind bemerkenswert gut erhalten und geben einen einzigartigen Einblick in das profane Leben der damaligen Zeit. Die gotische Bilderwelt aus dem beginnenden 15. Jahrhundert reicht von traditionell höfischen bis zu derb grotesken Darstellungen. In der Eingangshalle im mittelalterlichen Wohnturm befinden sich vor allem Rankenmalereien und figürliche Darstellungen, unter diesen ein überlebensgroßer heiliger Christophorus, aber auch Gaukler, Musikanten, Tänzer, Narren und wilde Tiere in Käfigen.
 
Die interessanteste malerische Ausstattung weist das Jagdzimmer  auf. Am Sockel befindet sich ein Vorhangdekor, darüber vor allem Jagdszenen, so eine Bären- und eine Hirschhatz. Dazwischen erstrecken sich allegorische Szenen, wie die Weibermacht, wobei eine Dame, auf einem Esel reitend, eine Schar als Narren gekennzeichnete Männer an der Leine führt, der Minnegarten oder der Phallusbaum, der bezeichnenderweise Phalli trägt, die von lebenslustigen nackten Frauen geerntet werden. Die Frauen reißen sich dabei um die begehrten Früchte.
 
Die Darstellung ist äußerst selten, findet aber durchaus ihren Platz in der mittelalterlichen Profanmalerei, so zum Beispiel auf Burg Lichtenberg im Vinschgau oder im Brunnenhaus von Massa Marittima. Als Pendant dazu gibt es auch Darstellungen höfischer Kavaliere, die einen Baum mit Blättern oder Früchten in Form weiblicher Geschlechtsteile bewundern.
 
Im Allgemeinen sind die Darstellungen auf eine männliche  Jagdgesellschaft als Zielgruppe ausgerichtet, es geht um Komik, Geschlechterrollen, die verkehrte Welt und nicht zuletzt die Jagd. In diesen Kontext fällt auch die Darstellung  des  Katzen-  und  Mäusekrieges.  Die Fabel stammt vermutlich aus der altägyptischen Mythologie und gelangte über Byzanz nach Europa. Grundsätzlich geht es um einen Krieg, der nicht gewonnen werden kann und durch ungünstige Zufälle ausgelöst wurde. Er forderte Opfer auf beiden Seiten und den Tod vom Katzen- und vom Mäusekönig. Beide sind wiederum durch Zufälle ausgelöst und gehen nicht auf kriegerische Ereignisse zurück. Die zur damaligen Zeit zirkulierende Druckgrafik lieferte die Vorlagen zu diesen profanen Malereien.
 
Die Kemenate  dominiert eine Rankenmalerei in unterschiedlichen Ausformungen, von Eichenlaub, Trauben bis zum Granatapfel mit eingestellten Vögeln. Am Fenster erkennt man eine männliche Figur in Rückenansicht, vielleicht der Liebhaber, der sich im Morgengrauen zur Jagd davonschleicht und über den Rücken noch einen letzten Blick auf das Gemach wirft.
 
Auch hier finden wir, ähnlich wie im Minnegarten des Jagdzimmers, den Bezug zum idealisierten Werben um weibliche Gunst. Die Symbolik des Raumes ist also auf die Minne, die Unschuld der Dame in Gestalt eines Einhorns zwischen Eichenlaub, aber auch die Fruchtbarkeit, siehe Granatapfel oder Eichel, ausgerichtet.

Eine Rettung mit Kunstverständnis und Weitblick
 
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Besitz in bäuerlichen Händen und nur wenige Räume waren effektiv genutzt, aus heutiger denkmalpflegerischer Sicht wahrscheinlich ein Glücksfall, weil dadurch keine Zerstörung aus Unverständnis stattfand.
 
Es sind seit dem Besitzwechsel der Herren von Schulthaus in bäuerliche Hand keine Investitionen getätigt geworden bis der vernachlässigte Gebäudekomplex in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts dem kunstsinnigen Bozner Kaufmann Walther  Amonn aufgefallen war. Amonn kaufte die verwahrlosten Gebäude, ließ Schloss Moos aufwändig restaurieren und mit bedeutenden volkskundlichen Kunstgegenständen aus verschiedenen Epochen, sowie einer Bildersammlung zeitgenössischer Tiroler Künstler ausstatten. Er machte Schloss Moos im Jahre 1985 im Rahmen der Stiftung Walther Amonn  schließlich der Öffentlichkeit zugänglich, die das Schloss bis vor kurzem verwaltete.
 
Im Jahr 2014 übernahm das Südtiroler  Burgeninstitut  die Verwaltungsagenden des Stiftungsbesitzes mit dem Ziel, den Blick für Schloss Moos in der Öffentlichkeit zu schärfen, um damit für die Erhaltung und Förderung dieses einzigartigen Bauwerkes und der darin enthaltenen Kunstgüter einzutreten. Ein weiteres Ziel wird die wissenschaftliche Erforschung und Dokumentation aus burgenkundlicher Sicht sein. Der verwaltende Verein bezweckt ganz allgemein den Schutz historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten als Denkmale der Kunst, als Zeugnisse der Landesgeschichte, der Landeskultur und als wesentlicher Bestandteil der Landschaft.

Rund um Schloss Moos Schulthaus (Teil 1)
Rund um Schloss Moos Schulthaus (Teil 2)
Rund um Schloss Moos Schulthaus (Teil 4)
 
 
Veröffentlicht am 03.04.2015
 
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