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Rund um Schloss Moos Schulthaus (Teil 4)

Eppan Berg, Schloss Freudenstein und unsere Liebe Frau im Rosengarten
 
Mit Schulthaus im Rücken folgt der Weg parallel dem Mendelkamm entlang nach Eppan Berg mit Blick auf Schloss St.  Valentin,  einem einfachen Bau aus dem 16. und 17. Jahrhundert, der ursprünglich aus einem mittelalterlichen Wohnturm hervorging und mit zwei viereckigen Erkertürmen und steingerahmten Viereckfenstern versehen wurde, und dessen wohl berühmtester Besitzer Erzherzog Johann war, weiter bis in die Nähe von Schloss Freudenstein, dessen Name bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erscheint und sich schon damals in Besitz der Grafen Fuchs von Fuchsberg befand, die das Anwesen bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1828 hielten.

Die Anlage besteht aus zwei gleichwertigen Baukörpern mit frei stehendem viergeschossigen Turm und ursprünglich zweigeschossigem Wohnbau, der im 16. Jahrhundert aufgestockt und im Stil der Renaissance umgebaut wurde. Dazwischen erstreckt sich der Burghof. Diese bauliche Besonderheit weist auf zwei Bauherren, die in verwandtschaftlichem Verhältnis zueinander standen. Der Südturm trägt dabei einen Kranz aus Schwalbenschwanzzinnen, der Nordturm hingegen einen Kranz aus Rechteckzinnen.
 
Das Ensemble wurde mehrmals verändert und den entsprechenden Stilmerkmalen der damaligen Zeit, sowie den Bedürfnissen der Bewohner angepasst und auch erweitert. Dazu zählen beispielsweise die Errichtung des Kapellentrakts Ende des 15. Jahrhunderts, der äußere Torturm, die frei stehende St.-Andreas- Kapelle, oder der Arkadengang im Innenhof im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, Wandmalereien aus dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts, die Barockisierung des Nordpalas und vor allem die für das Erscheinungsbild der Burg wohl einschneidensten Umgestaltungen des 19. Jahrhunderts. Zu diesen Veränderungen gehören der Treppenlauf zum Arkadengang, die monumentalen Treppenhäuser in den Bergfrieden, oder die Fenster im Stil der Neogotik im Ost-, Nord-, und Westflügel.
 
An Freudenstein vorbei, führt die Wanderung nach Zinnenberg, einem langgezogenen Renaissancebau mit zwei Risaliten, sowie dem typischen Erkertürmchen, der Freitreppe und der doppelgeschossigen Rundbogenloggia, und Burg Montan, einem Komplex, der aus zwei Wohntürmen hervorging und schließlich im 17. Jahrhundert zu einem Ensemble geeint wurde. Von dort führt der Spaziergang den Platzlweg abwärts in die Nähe von Ansitz Reinsperg und weiter zur Kapelle Unsere Liebe Frau im  Rosengarten.  Die kleine Barockkapelle steht inmitten eines umfriedeten Gartens, der über eine von Steinpyramiden flankierte Treppe vom Straßenniveau aus erreichbar ist.
 
Die Anfänge des Baus reichen ins 17. Jahrhundert zurück. Der rechteckige Bau hat einen geraden Abschluss, an den sich eine niedere Sakristei anschließt. Das Dach war ursprünglich spitz zulaufend geplant, wie man am Mauerwerk deutlich sehen kann, wurde aber, bedingt durch die Einwölbung, abgeflacht. Der hölzerne Dachreiter trägt eine Zwiebelhaube. Die einfachen, viereckigen Fenster sind sandsteingerahmt und schmucklos, einzig das Oberlichtfenster ist mit einem Rosettendekor versehen, wie man ihn auch an verschiedenen Ansitzen dieser Epoche findet. Im Gegensatz zum recht unscheinbaren Äußeren, öffnet sich das Innere der Kapelle wie ein Schmuckkästchen. Das in zwei Bereiche geteilte Gratgewölbe ist mit reichem Stuck überzogen, der verschiedene Bildfelder mit Szenen aus dem Leben Christi umschließt. 
 
Der barocke  Altar  dominiert den gesamten Kapellenraum und ist als zweisäuliger Aufbau mit gesprengtem Segmentgiebel gestaltet und übersät mit schmuckstückartig eingefügten Vitrinen, die Klosterarbeiten, Preziosen und Reliquienkapseln beherbergen.
 
Das zentrale Altarbild zeigt die Immaculata, auf der Weltkugel stehend und mit dem rechten Fuß eine Schlange zertretend. Die Marienthematik greifen auch die beiden Sakristeikästen auf, die durch die beiden Opfergangsportale sichtbar sind. Es sind dies zum einen die Sieben Schmerzen, zum anderen die Sieben Freuden Mariens.
 
Die Kapelle gehört seit dem Jahr 1958 zum Besitz der Stiftung Walther Amonn und wird seit 2013 vom Südtiroler Burgeninstitut verwaltet.



Fotos: Schloss Freudenstein (oben), Schloss Paschbach (unten)
 
 
 
Diesen Beitrag verfasste der Agronom Dr. Carl Philipp Baron von Hohenbühel, ansässig in Eppan, studierte an der Hochschule für Bodenkultur in Wien; Präsident des Südtiroler Burgeninstituts; publiziert in Fachzeitschriften. Artikel erschienen in der Zeitschrift SÜDTIROL in Wort und Bild 4. Quartal 2014 / 58. Jahrgang.
 
Paschbach, Aichberg und die Rückkehr nach St. Michael
 
Der Weg führt zum Abschluss dieses Spaziergangs rechter Hand an Schloss Paschbach vorbei, das in seinem Kern aus einem mittelalterlichen Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert besteht. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel wurde der Turm in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance unter Verwendung typischer Formen und Bauelemente, wie Freitreppe oder Rundbogenloggia, umgebaut.
 
Um 1900 brachte die Familie von Zastrow Schloss Paschbach in die heutige Form. Der Turm wurde erhöht und mit einem Zinnenkranz versehen, die Mühle wurde bewohnbar gemacht und durch eine Loggia mit dem Hauptgebäude verbunden. Gegenüber von Schloss Paschbach, vis-à-vis des Ansitzes  Tschindlhof, können wir einen Blick auf Ansitz  Aichberg werfen, der ebenfalls einen mittelalterlichen Kern aufweist.
 
Das Gebäude besteht aus einem kürzeren Nordwest- und einem längeren Osttrakt. In den Nordwesttrakt ist ein zinnenbekrönter turmartiger Baukörper integriert, der ursprüngliche Wohnturm. Ostseitig ist diesem Baukörper ein niedriger Zubau vorgelagert, der als Verbindungsbau zum dreigeschossigen Osttrakt und zur Kapelle dient.

Die ersten baulichen Veränderungen gehen auf das 15. Jahrhundert zurück, als der spätromanische Wohnturm nach Osten hin erweitert wurde. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde dem älteren Nordwesttrakt ein separater zweigeschossiger Baukörper hinzugefügt. Auch der polygonale Erker entstammt dieser
Zeit.
 
Im frühen 17. Jahrhundert gelangte der Bau in den Besitz von Valentin Christof von Aichner, der dem Ansitz seinen Namen gab. Zu dieser Zeit erfolgten verschiedene Umbauten, die den nunmehr gefreiten Ansitz auch nach außen hin als solchen kennzeichnen sollten. Dazu gehören die steingefassten Viereck- und Doppelbogenfenster, der repräsentative Ausbau des Obergeschosses und der Zubau an der Südostecke. Ähnlich, wie im Falle von Schloss Paschbach, brachte auch in diesem Beispiel der Wechsel in den Besitz der Familie von Zastrow um 1900 entscheidende bauliche Veränderungen mit sich. Dazu gehören die Erweiterung des Osttrakts mit einer Marienkapelle, die Überdachung des Renaissancetreppenaufgangs, die Erhöhung des mittelalterlichen Wohnturms und die neue Ausstattung der Innenräume.
 
Der zweistündige Rundgang führt nun absteigend wieder in den Hauptort St. Michael Richtung Dorfplatz und schließt am Dorfbrunnen zwischen den beiden sich gegenüberstehenden – heute als Zweckbauten genutzten
Ansitzen  Platzegg, heute Gemeinde Eppan, und dem Ansitz  von  Heuf- ler, heute Raiffeisenkasse Überetsch, und lädt zu einem letzten Blick von den typischen Überetscher Häuserfassaden des Dorfzentrums, hinauf zu den Weinkulturlandschaften des Gleifhügels mit der erst kürzlich restaurierten Kapelle der Schmerzhaften Muttergottes.

Rund um Schloss Moos Schulthaus (Teil 1)
Rund um Schloss Moos Schulthaus (Teil 2)
Rund um Schloss Moos Schulthaus (Teil 3)


Quellen:
Überetsch, Rudolf von Granischstädten- Czerva, Neustadt an der Aitsch 1960
Literatur und Wandmalerei – Burgdorfer Colloquium, Walter De Gruyter, Tübigen 2005
Ansitz – Freihaus – Corte Franca, Beitrag Alexander von Hohenbühel, Innsbruck 2013
Burgen Perspektiven, Beiträge Leo Andergassen  Martin Laimer, Innsbruck 2013
Burgen und Ansitze (Bozen und Umgebung), Stefan Stabler, Alexander von Hohenbühel, Bozen 2008
Eppan, Geschichte und Gegenwart, Bruno Mahlknecht, Eppan 1990
Kunst in Tirol, Beitrag Peter Fidler, Innsbruck/ Bozen 2007
Die Kunstdenkmäler Südtirols, Band 2, Josef Weingartner, Bozen 1985
Schlern, Heft 7, Artikel Walther Amonn, 1965
Schlern, Heft 7/8, Artikel Volker Hille, 2013
Schlern, Heft 9, Artikel Matthias Frei , 1965
Schlern, Heft 7/8, Artikel Gerhild Riemann, 2013
Rainer Loose, Eppan und das Überetsch, hrsg. Südtiroler Kulturinstitut, 2003
 
 
Veröffentlicht am 07.04.2015
 
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